Politik

Krankenhausreform: Ersatzkassen verlangen Nachbesserungen

Montag, 14. September 2015

Berlin – Angesichts des steigenden Finanzdrucks in der gesetzlichen Krankenver­sicherung (GKV) muss bei der geplanten Klinikreform die Finanzierung stärker in den Fokus rücken. „Bei den Reformplänen fehlt eine umfassende Finanzierungsstrategie“, erklärte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), am Freitag in Berlin. „In Anbetracht der zu erwartenden Kosten in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro bis 2020 muss dies dringend nachgeholt werden.“

Gegen Ansprüche von Leistungserbringern werte sich Elsner: „Die Forderungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gehen da erheblich zu weit.“ Die DKG bezeichnete kürzlich die geplante Krankenhausreform als „Verkennung der Lage in den Kliniken“. Sie fordert unter anderem, den Versorgungszuschlag seit 2013 beizubehalten, Tarifsteigerungen des Personals leichter in den Kosten einpreisen zu können und die ambulante Notfallversorgung besser bezahlt zu bekommen.

Anzeige

In einem Zehn-Punkte-Papier listet der vdek die aus seiner Sicht zentralen Probleme in der Krankenversorgung auf, bewertet die derzeit vorgesehenen Lösungsvorschläge und ergänzt Forderungen, wie die Krankenhausversorgung zukunftssicher gestaltet werden kann.

So monieren die Ersatzkassen, dass sich die Länder aus der Krankenhausversorgung mehr und mehr zurückgezogen hätten. Die Investitionsförderquote der Länder, also der prozentuale Anteil der Investitionsfördermittel an den Gesamtkosten, sank demnach von rund zehn Prozent im Jahr 1993 auf rund 3,5 Prozent im Jahr 2013. Als Folge finan­zierten Krankenhäuser Betriebskosten mehr und mehr über GKV-Mittel, so der Verband: „Jährlich werden bereits jetzt mehr als drei Milliarden Euro der Investi­tionsausgaben aus GKV-Mitteln verdeckt finanziert.“ Dies geschehe durch Mengen­steigerungen.

In dem Zehn-Punkte-Papier wird zudem thematisiert, dass Deutschland im interna­tionalen Vergleich nur ein gutes, aber kein herausragendes Qualitätsniveau vorweisen könne, aber auch, dass die Krankenhausplanung unzureichend sei. Der vdek hält auch die Zentrenbildung nicht durchgängig für eine Verbesserung: „Zwar sind zahlreiche Zentren (wie zum Beispiel Brust- oder Krebszentren) entstanden“, heißt es in seiner Stellungnahme. Doch die erwünschte echte Schwerpunktbildung habe nicht stattgefunden, da entsprechende Standardisierungen in der Krankenhausplanung fehlten.

Das geplante Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) enthalte gleichwohl einige gute Ansätze, insbesondere was die stärkere Qualitätsorientierung in der Kranken­hausplanung sowie den Strukturfonds anbelange, stellte die vdek-Vorstandsvorsitzende klar. Auch das Ziel, mit Hilfe eines Pflegestellenförderprogramms die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals in Krankenhäusern zu senken, sei grundsätzlich richtig.

Bei allen drei Punkten komme es aber entscheidend auf die Umsetzung an. So sei beispielsweise nicht vorgeschrieben, dass die Länder die Qualität einer Klinik zwingend als Planungskriterium zu berücksichtigen hätten. Außerdem fordert der vdek mehr Mitsprache bei der Verwendung von Geldern aus dem geplanten Strukturfonds, mit dessen Hilfe die Krankenhauslandschaft an den Versorgungsbedarf angepasst werden soll. © Rie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

02.01.17
Erfurt – Thüringens Krankenhäuser erhalten in diesem Jahr mehr Geld für die Ausbildung von Pflegern. Die Summe betrage 24,7 Millionen Euro, eine Million mehr als 2016, teilte der Verband der......
30.12.16
Niedersachsens Krankenhäuser sehen sich weiter in Misere
Hannover – Die niedersächsischen Krankenhäuser sehen ihre finanzielle Situation weiterhin kritisch. Rund die Hälfte der Kliniken im Land habe 2015 keine tragfähigen Ergebnisse erwirtschaftet, teilte......
20.12.16
Krankenhauskosten deutlich gestiegen
Wiesbaden – Ein im Krankenhaus stationär behandelter Patient hat 2015 im Schnitt 4.378 Euro gekostet. Das waren 3,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das hat heute das Statistische Bundesamt (Destatis)......
14.12.16
Erfurt – Die Krankenhäuser in Thüringen erhalten im kommenden Jahr für die Behandlung von Patienten mehr Geld von den Krankenkassen. Das Vergütungsvolumen steigt um 69 Millionen Euro auf rund 2,14......
08.12.16
Krankenhaus­finanzierung: Die Qual der Wahl
Düsseldorf/Neuss – Die Krankenhäuser sollen finanziell auf eine solidere Basis gestellt werden. Dabei soll auch der Investitionsstau in den Kliniken aufgelöst werden. Darüber waren sich die Teilnehmer......
02.12.16
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht die Finanzierungsdefizite in der ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus deutlich geringer, als es Studien der Deutschen......
01.12.16
Hamburg – Die Bundeswehr investiert in den nächsten 13 Jahren für Umbau und Modernisierung des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg mehr als 220 Millionen Euro. Im Stadtteil Wandsbek werde so bis zum Jahr......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige