Ärzteschaft

Versorgung von Demenzpatienten regional unterschiedlich

Sonntag, 20. September 2015

Berlin – Demenzielle Erkrankungen sind – auch bei Berücksichtigung der unterschied­lichen Altersstruktur – regional unterschiedlich verteilt: Über dem Bundesdurchschnitt liegen die Krankheitsraten in den neuen Bundesländern, unterdurchschnittlich sind die Raten zum Beispiel in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Das berichten Wissenschaftler des Versorgungsatlasses zum Welt-Alzheimer-Tag. Der Versor­gungsatlas ist ein Projekt des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi).

Danach bestehen auch bei der Diagnostik und Therapie regionale Unterschiede: So wurden testpsychologische Verfahren im Jahr der Erstdiagnose bei 34 Prozent der Patienten eingesetzt. In Berlin, Sachsen und Bremen lag dieser Anteil unter 30 Prozent und in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland- Pfalz und Niedersachsen über 40 Prozent. Bildgebende Verfahren kamen bei 18 Prozent der Patienten zum Einsatz – in den alten Bundesländern und in städtischen Regionen tendenziell häufiger als in den neuen Bundesländern und in ländlichen Regionen. Werden Patienten von Haus- und Facharzt gemeinsam behandelt, kommen testpsychologische und bildgebende Verfahren häufiger zum Einsatz.

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Große regionale Unterschiede sehen die Wissenschaftler auch bei der Therapie: So besteht bei der Versorgung mit Antidementiva ein Ost-West-Gefälle. Am häufigsten verordneten Ärzte Antidementiva in Mecklenburg-Vorpommern (32,1 Prozent) und Sachsen (30,5 Prozent), aber auch in Baden-Württemberg (28,7 Prozent). Am niedrigsten waren die Raten in Bremen (13 Prozent).

Auch die Form der Betreuung ist dabei relevant: Werden Patienten von Fach- und Hausarzt gemeinsam behandelt, erhält fast die Hälfte (48 Prozent) ein Antidementivum. Behandelte der Hausarzt hingegen allein, war die Verordnungsrate nur halb so hoch. Das Zi spricht von „einem klaren Optimierungsbedarf bei der medikamentösen Therapie“.

„Eine gute Versorgung von Demenzkranken ist künftig nur zu leisten, wenn Kliniken, Fach- und Hausarztpraxen und Psychotherapeuten vor Ort in Versorgungsnetzen strukturiert zusammenarbeiten“, sagte der Vorsitzende des Spitzenverbandes ZNS, Frank Bergmann. © hil/aerzteblatt.de

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