Medizin

Übergewicht steigert Risiko auf Hirntumor

Freitag, 18. September 2015

Regensburg – Übergewicht oder Fettleibigkeit erhöhen möglicherweise das Risiko, an einem Meningeom zu erkranken, dem häufigsten (in der Regel) gutartigen Hirntumor. Eine Assoziation mit malignen Gliomen ließ sich in einer Meta-Analyse in Neurology (2015; 85: 1-9) dagegen nicht nachweisen.

Pro Jahr erkranken fünf bis acht von 100.000 Personen an einem Meningeom. Der Tumor, der von Zellen der Hirnhäute ausgeht, ist zwar überwiegend gutartig. Bei ungünstiger Lage oder einer zu späten Diagnose kann er jedoch zum Tod führen. Außerdem gibt es primär maligne Varianten. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei lediglich 63 Prozent, berichtet Gundula Behrens von der Universität Regensburg. Vorbeugung könnte nicht schaden.

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Die bisher bekannten Risikofaktoren, eine frühere Strahlentherapie, weibliche Geschlechts­hormone oder die erbliche Neurofibromatose Typ 2, lassen sich jedoch nicht vermeiden. Eine Adipositas gehört dagegen zu den modifizierbaren Risikofaktoren. Die Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien, die Behrens zum Meningeom ausgewertet hat, zeigen, dass Personen mit Übergewicht zu 21 Prozent häufiger an einem Meningeom erkranken (relatives Risiko RR 1,21; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,01-1,43). Für fettleibige Personen war die Wahrscheinlichkeit sogar um 54 Prozent höher (RR 1,54; 1,32-1,79). Auch Sport könnte vor einem Meningeom schützen: Menschen, die sich viel bewegen, erkrankten laut den Daten von Behrens zu 27 Prozent seltener an einem Meningeom als Menschen mit geringer körperlicher Aktivität (RR 0,73; 0,61-0,88).

Für die Verbindung zwischen Ernährung, Bewegung und dem Meningeom gibt es eine plausible Erklärung: So führt Übergewicht beispielsweise zu einer Überproduktion von Östrogenen, die wiederum die Entwicklung von Meningeomen fördern. Übergewicht und Bewegungsmangel fördern zudem die Insulinresistenz, die mit einer erhöhten Ausschüttung des Hormons einhergeht. Insulin ist aber ein Wachstumsfaktor für Meningeome.

Eine Assoziation zum Gliom, dem häufigsten malignen Hirntumor, konnte die Epide­miologin dagegen nicht herstellen. Übergewichtige und auch fettleibige Menschen erkranken nicht häufiger an diesem Tumor, der schwer zu behandeln ist und in der Regel nach kurzer Zeit zum Tode führt. Bei der körperlichen Aktivität bestand eine leichte inverse Assoziation: Sportliche Aktivität könnte das Risiko um 14 Prozent senken (RR 0,86; 0,76-0,97). Wie immer bei derartigen Untersuchungen lassen sich andere Erklärungen für den Zusammenhang nicht ausschließen.

© rme/aerzteblatt.de

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