Ärzteschaft

KBV vor großen Aufgaben

Montag, 21. September 2015

Berlin – Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat das System der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zur Einigkeit aufgerufen und vor Staatsmedizin und Gängelung durch die Aufsichtsbehörden gewarnt. „Die KBV wird gebraucht. Sie ist kein überflüssiger Kropf, wie manche immer wieder behaupten. Die KBV nimmt in der gemeinsamen Selbstverwaltung eine zentrale Rolle ein – so lassen sich beispielsweise all die Entscheidungen im G-BA doch nur allein durch die Beteiligung unserer Experten in eine sinnvolle Richtung steuern“, sagte Gassen auf der KBV-Vertreterversammlung (VV) am vergangenen Freitag.

Er bedauerte, dass die KBV und das System der KVen „mit den ständig nach außen gestreuten Querelen zusehends unser eigenes Image als Selbstverwaltung gegenüber der Ärzteschaft und der Politik“ beschädigten. Gassen warnte, es mehrten sich die Eingriffe des Gesundheitsministeriums in die Selbstverwaltung, die mit der klassischen Rechtsaufsicht nichts mehr zu tun hätten. „Wenn wir so weitermachen dann sitzt demnächst ein Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit nicht nur in der Vertreterversammlung, sondern direkt bei uns im Haus“, sagte der KBV-Vorstands­vorsitzende.

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Gemeinsam ein Zukunftskonzept erarbeiten
Er kündigte ein Zukunftskonzept für die Selbstverwaltung „KBV 2020“ an, dass in einem Strategieprozess mit den KVen entwickelt werden soll. „Viele konkrete Aufgaben sind zu meistern“, so Gassen. Dazu gehöre unter anderem die Überarbeitung der Bedarfs­planung.

Aktuell und dringend sei außerdem die Versorgung der Flüchtlinge durch nieder­gelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Gassen betonte, der öffentliche Gesundheitsdienst könne dies nicht leisten, ebenso wenig die Kliniken. „Die einzigen, die diese Aufgabe stemmen können – und wohl auch stemmen müssen – sind die Vertragsärzte und Psychotherapeuten“, so der KBV-Chef.

Angemessene Preise für eine hochwertige und flächendeckende Versorgung
Wichtig auf der KBV-Agenda seien außerdem naturgemäß die laufenden Honorar­verhandlungen. „Das Angebot der Kassen zur Erhöhung des Orientierungswertes, den wir am vergangenen Donnerstag im Bewertungsausschuss bekommen haben, war der blanke Hohn“, so Gassen. Schon vor einem Jahr sei klar gewesen, dass die abge­senkten Versichertenbeiträge ein „riesiges Loch“ in die Kassenbudgets reißen würden. „Und nun sollen wieder wir Ärzte und Psychotherapeuten für dieses Missmanagement gerade stehen? Eine Gesundheitspolitik, die eine so hochwertige und flächendeckende ambulante Versorgung haben will, wie wir sie bieten, der muss dafür auch ange­messene Preise bezahlen“, betonte der KBV-Chef.

Zu wenig Fachärzte für Allgemeinmedizin
Auf das Thema Nachwuchsmangel ging Regina Feldmann aus dem KBV-Vorstand in ihrer Rede ein. „Die Fallpauschalen-abhängige Steuerung des Angebotes von Weiter­bildungsstellen in Krankenhäusern lässt keine breitgefächerte Weiterbildung zu. Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, sagte Feldmann. Anders formuliert bildeten die Kliniken vor allem solche Fachärzte aus, die ihnen im Fallpauschalensystem nützten. Das decke sich aber nicht mit dem Bedarf für die ambulante Medizin. „Am Ende der langen medizinischen Aus- und Weiterbildung stehen zu wenige Fachärzte für Allgemeinmedizin zur Verfügung und wir stellen zunehmend auch bei einigen fachärztlichen Fächern einen deutlichen Nachwuchsmangel fest“, so Feldmann. 

Es sei ein Erfolg der KBV, das Förderprogramm der Weiterbildung in der Allgemein­medizin zum Bestandteil des fünften Sozialgesetzbuches zu machen. „Die Förderung der ambulanten Weiterbildung ist nun im Paragrafen 75a geregelt. Das gilt nicht nur für die Allgemeinmediziner, sondern auch für grundversorgende fachärztliche Fächer“, sagte Feldmann. Wichtig seien in diesem Zusammenhang auch die Kompetenzzentren Weiterbildung, wie sie sich in Hessen und Baden-Württemberg bereits bewährt hätten. „Wir werden hierbei regionale Besonderheiten berücksichtigen und keine stringente Vorgabe der Bundesebene machen“, so Feldmann.

Ärzteschaft muss bei der Einrichtung der Nationalen Präventionskonferenz beteiligt sein
Die KBV-Vorständlerin ging in ihrer Rede auch auf das neue Präventionsgesetz ein: „Überhaupt nicht akzeptieren können wir, dass bei der Erarbeitung einer nationalen Präventionsstrategie auf den Sachverstand der Ärzteschaft verzichtet werden soll. Schlimmer noch, die vorgesehene Einrichtung einer nationalen Präventionskonferenz ohne eine institutionelle Beteiligung der Ärzteschaft ist weder sachgerecht noch zielführend“, so Feldmann. Das belegten auch die Aussagen aus der jüngsten Versichertenbefragung der KBV. Sie zeigten, dass die Bevölkerung den Ärzten bei der Prävention die größte Kompetenz zuspreche.

Grundsätzlich habe die Befragung abermals deutlich gemacht, dass die Deutschen mit der ambulanten Versorgung zufrieden seien. „Bei aller Kritik und Verbesserungsfähigkeit in einzelnen Subbereichen können wir uns über ein hohes Vertrauensniveau in die vertragsärztliche Versorgung freuen“, so Feldmann.

Ein wichtiger Erfolg der KBV ist laut Feldmann die Entscheidung des Bundesschieds­amtes bei der Versorgung von geriatrischen Patienten. „Geriatrische Institutsam­bulanzen werden nicht – wie wir es bei den psychiatrischen Institutsambulanzen erlebt haben – per Gesetz zur Teilnahme an der Versorgung ermächtigt, sondern erhalten den Zugang zur vertragsärztlichen Versorgung erst nach Prüfung der lokalen Versorgungs­situation durch den Zulassungsausschuss“, erläuterte Feldmann. © hil/aerzteblatt.de

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