Politik

Deutsche verdrängen das Thema Pflegebedürftigkeit

Montag, 21. September 2015

Berlin – Selbst pflegebedürftig zu werden ist für viele ältere Menschen in Deutschland ein großes Thema – doch die wenigsten bereiten sich konkret darauf vor. Das zeigt eine Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Rund 72 Prozent der Befragten zwischen 50 und 80 Jahre finden es danach „extrem wichtig“, wie sie im Pflegefall versorgt werden.

Jeder Zweite macht sich laut dem „WIdOmonitor“ Sorgen über Pflegebedürftigkeit. Doch konkrete Aktivitäten und Schritte deswegen haben nur die Wenigsten ergriffen. So hat sich nur jeder Vierte nach eigenen Angaben schon einmal in einer Beratungsstelle oder durch die eigene Krankenkasse über Hilfen bei Pflegebedürftigkeit informiert. Unter den pflegenden Angehörigen und Menschen, die die eigene Gesundheit als schlecht einschätzen, sind es jeweils mehr als jeder Dritte.

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Die eigene Wohnsituation schätzt weniger als ein Drittel als altersgemäß eingerichtet ein. Jeder Zweite hat schon einmal mit einem anderen Menschen darüber gesprochen, wie er im Fall eigenen Pflegebedürftigkeit gepflegt werden möchte.

Zwei Drittel der Befragten nehmen einen Umzug in ein Pflegeheim in Kauf – wenn sie dafür unabhängig bleiben können und niemanden überlasten. Aber vielen Menschen über 50 Jahre erscheint eine gute stationäre Pflege als zu teuer: Geringverdiener mit einem Haushaltseinkommen unter 1000 Euro stimmen dem zu 80 Prozent zu, Besserverdiener mit mehr als 3000 Euro halten ein gutes Heim immerhin noch zu 63 Prozent für zu teuer.

„Noch fällt die Pflegevorsorge der Bürger eher bescheiden aus. Und doch verändern die vielen persönlichen Erfahrungen mit Pflegebedürftigen unsere individuellen und gesellschaftlichen Positionen“, kommentiert Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Ergebnisse. Das zeige sich unter anderem in der Problematisierung der häuslichen Pflege und der Anerkennung der Belastung pflegender Angehöriger sowie in einer zunehmenden Inanspruchnahme professioneller Dienstleister.

© hil/aerzteblatt.de

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Practicus
am Dienstag, 22. September 2015, 23:12

#Herz 1952

Das gleiche gilt ja auch für die private Berufsunfähigkeitsversicherung!
Wer als junger Mensch mit der inflationären Diagnose "Depression" stigmatisiert wurde, verliert für viele Jahre die Möglichkeit, irgenwelche Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Lebensversicherungen oder Kreditversicherungen abschließen zu können, und selbst nach Jahrzehnten müssen noch horrende Beitragaufschläge geleistet und Leistungsausschlüsse hingenommen werden.
Für Berufsunfähigkeits- und Pflegezusatzversicherungen sollte ein Kontrahierungszwang für die Anbieter ohne Gesundheitsprüfung gesetzlich verankert werden - geringfügig höhere Beiträge für alle spiegeln dann das Solidarprinzip wieder... Gendermäßig gelang das doch auch - es gibt keine getrennten Frauen- und Männertarife mehr!
Herz1952
am Dienstag, 22. September 2015, 14:08

Diejenigen, die eine Zusatzpflegeversicherung bräuchten werden ausgeschlossen

Gerade diejenigen, die gesundheitlich angeschlagen sind, werden von den Privaten Versicherern ausgeschlossen, bzw. können die horrenden Prämien nicht zahlen. Kein Durchschnittsverdiener kann sich gegen einen Pflegefall ausreichend absichern. Ich habe schon mit 18 Jahren (bin jetzt 63) dafür plädiert, dass eine ausreichende gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt werden müsste. Das hat auch psychologische Gründe, weil jeder einen Pflegefall aus seinem Gedächtnis streichen möchte. Verständlich, denn ich lebe jetzt und weis nicht/will auch nicht wissen, was mich in dieser Beziehung noch treffen wird. Das ist psychologisch gesehen auch ein gewisser "Selbstschutz"
Widerstand
am Montag, 21. September 2015, 22:50

Pflegefall? Unproduktiv! Kein Wert für die Gesellschaft.

Das sind die Fakten, die niemand ausspricht aber jeder der "oberen Zehntausend" lebt. Fakt ist, wie angesprochen, dass die Menschen zu sehr von der Regierung und den Unternehmen betrogen werden, als dass sie sich eine Pflegeversicherung leisten könnten. Daher wird die furchtbare Zukunft von der Unterschicht verdrängt und von der Oberschicht weder thematisch noch praxistauglich gewollt.
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