Politik

Pflegende Angehörige leiden häufiger unter psychischen Erkrankungen

Donnerstag, 24. September 2015

Berlin – Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, leiden häufiger unter psychischen Problemen als ihre Mitmenschen. Im Jahr 2014 wurden 55 Prozent von ihnen infolge einer psychischen Störung behandelt – bei Nicht-Pflegenden waren es 39 Prozent. Das geht aus dem Pflegereport der DAK hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Zudem wurde im Jahr 2014 jede sechste Pflegeperson wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen behandelt. Bei Nicht-Pflegenden war es jeder zehnte.

„Das zeigt, wie viel Druck auf Menschen lastet, die neben Job und Familie noch die Pflege eines Angehörigen übernehmen“, sagte DAK-Vorstandsvorsitzender Herbert Rebscher. 

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Belastend empfinden Pflegende vor allem den Zeitdruck, unter dem sie stehen. Sieben von zehn Pflegenden, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der DAK befragte, machte diese Angabe. Knapp sieben von zehn fühlen sich darüber hinaus psychisch belastet, fünf von zehn körperlich. Das Gefühl der Überforderung steigt der Umfrage zufolge an, wenn die gepflegte Person dement ist.

Vor allem Frauen übernehmen die Pflege von Angehörigen
Zumeist sind es Frauen, die Angehörige pflegen. 90 Prozent der Pflegebedürftigen werden  von Frauen versorgt. Ein Drittel von ihnen ist dabei berufstätig, ein Fünftel arbeitet in Vollzeit. Die Zahl der Männer, die Angehörige pflegen, sei in den vergangenen Jahren jedoch angestiegen, erklärte der Sozialwissenschaftler Thomas Klie, der an dem Pflegereport mitgeschrieben hat.

„Überraschend ist, dass viele Menschen die Hilfsangebote kennen, die die Pflegekassen kostenlos anbieten, dass sie sie aber nicht nutzen“, sagte Rebscher. Ein Grund dafür könne sein, dass vielen Pflegenden die Zeit fehle, im hektischen Alltag noch regelmäßig Termine wahrzunehmen, meinte Klie. Zudem hänge es stark vom Bildungsstand ab, ob pflegende Angehörige Hilfe in Anspruch nehmen. „Je niedriger der Bildungsstand ist, desto eher interpretieren Menschen die Pflege von Angehörigen als Schicksal“, erklärte Klie.

DAK stellt Internetkurs für pflegende Angehörige vor
Es gebe jedoch auch Fälle, bei denen Menschen Hilfsangebote annehmen möchten, es in ihrer Region aber keine gibt. Klie forderte die Kommunen deshalb auf, dafür zu sorgen, dass in ihrer Region ausreichend Hilfsangebote vorhanden sind.

Zusammen mit dem Pflegereport stellte die DAK einen neuen internetbasierten Pflegekurs vor, den pflegende Angehörige von zu Hause absolvieren können. Dieser Pflegecoach ist ab heute unter www.dak.de/pflegecoach zu erreichen.

Für den Pflegereport hat die DAK die anonymisierten Daten von 500.000 ihrer Versicherten analysiert sowie die Daten von 12.000 pflegenden Angehörigen mit denen von nicht-pflegenden Versicherten verglichen.

Umfrage: Bevölkerung hält Pflegereform für richtig
Ebenfalls heute hat das Bundesgesundheitsministerium die Ergebnisse einer Umfrage von infratest dimap vorgestellt, bei dem die Bevölkerung nach ihrer Meinung zur Pflegereform gefragt wurde. Demnach halten 93 Prozent der Befragten die Pflegereform für richtig. Die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs werteten 77 Prozent der Befragten als „Schritt in die richtige Richtung“. Zudem machen sich 57 Prozent der Befragten keine Sorgen über eine finanzielle Absicherung im Falle einer Pflegebe­dürftigkeit. Dies sind 19 Prozent mehr als bei einer vergleichbaren Befragung aus dem Jahr 2010.

© fos/aerzteblatt.de

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