Medizin

Musikerdystonie ist psychisch getriggert

Dienstag, 29. September 2015

Düsseldorf – Die sogenannte Musikerdystonie ist offenbar nicht allein auf neurologische Ursachen zurückzuführen, wie bisher angenommen. Vielmehr spielt die Psyche eine wichtige Rolle. Das berichtete Eckart Altenmüller, Direktor des Instituts für Musik­physiologie und Musikermedizin (IMMM) der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Düsseldorf.

„Musizieren kann krank machen“, so Altenmüller. Welche Schwachstelle der Körper entwickele, hänge stark vom Instrument ab. Kontrabassisten hätten oft Rücken­schmerzen, Bläser Zahnprobleme, während bei Bratschern die linke Schulter leide. Pianisten, Gitarristen und Violinisten entwickelten manchmal einen Musikerkrampf, die sogenannte Musikerdystonie.

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Bei dieser lokalen neurologischen Erkrankung streiken oft einzelne Finger. Ein häufiger Auslöser ist das intensive, wiederholte Üben feinster und schneller Abläufe. Insgesamt leiden ein bis zwei Prozent aller Berufsmusiker unter einer Musikerdystonie. Bildge­bende Studien deuten darauf hin, dass bei Musikern mit einer Fingerdystonie die Koordination im sensomotorischen Kortex gestört ist – ob als Ursache oder Folge der Erkrankung ist nicht geklärt.

Neueste Untersuchungen zeigen, dass die Musikerdystonie eine sehr heterogene Erkrankung ist. „Es gibt zwei Gruppen – bei der einen hat die Krankheit organische Ursachen, bei der anderen spielt eine labile Psyche die Hauptrolle“, berichtete Altenmüller. Diese Musiker hätten oft erst spät ein Instrument erlernt, seien Perfektionisten, setzten sich unter hohen Leistungsdruck, hätten häufig ein negatives Selbstbild und seien stressanfällig. „Die Bewegungsstörung ist in diesen Fällen durch Angst getriggert“, erklärte Altenmüller.

Psychisch anfälligen Musikern helfe eine Psychotherapie und gezielte Bewegungsübungen. Dazu zählten beispielsweise die Feldenkrais-Methode, Dispokinese oder die Alexander-Technik.

Bei der zweiten Gruppe – den Musikern, bei denen die Erkrankung organisch bedingt ist – nütze eine Psychotherapie dagegen nicht. Diese psychisch stabilen Musiker haben laut Altenmüller oft Verwandte, die ebenfalls unter einer Dystonie oder unter Morbus Parkinson leiden. Diesen Musikern helfe eine Therapie mit dem Botulinumtoxin A. Es werde lokal injiziert, entspanne die Muskeln und mache den zuvor unkontrollierbaren Finger wieder beweglich.

20 Prozent der Patienten würden vollständig geheilt, so Altenmüller. 79 Prozent der Betroffenen könnten ihren Beruf als Musiker weiterhin ausüben.

© hil/aerzteblatt.de

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