Medizin

Krebs: Chirurgie und Strahlentherapie in ärmeren Ländern häufig nicht verfügbar

Dienstag, 29. September 2015

London/Boston – Während in den Industrieländern immer mehr Menschen eine Krebserkrankung überleben, fehlt es in vielen Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen an Behandlungseinrichtungen. Experten beklagen auf dem europäischen Krebskongress in Wien und in Lancet Oncology (2015; 16: 1153-1186, 1193–1224) einen Mangel an Chirurgen und Bestrahlungsgeräten.

Weltweit werden in diesem Jahr 15 Millionen Menschen an lebensgefährlichen Tumoren erkranken. Bei 80 Prozent wird eine Operation und bei bis zu 60 Prozent eine Strahlentherapie notwendig. Doch während diese Behandlungsoptionen in reicheren Ländern flächendeckend angeboten werden, fehlen sie in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen häufig.

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Eine Gruppe um Richard Sullivan vom King's College London schätzt, dass in Ländern mit niedrigen Einkommen nur etwa 5 Prozent der Patienten operiert werden können. Selbst in Ländern mit mittleren Einkommen beträgt die Chance nur etwa 22 Prozent. Selbst in Europa gebe es nicht überall ausreichende Kapazitäten, was ein Grund für die Unterschiede in der Krebssterblichkeit sei.

Der Mangel an chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten hat für die betroffenen Länder auch wirtschaftliche Folgen. Sullivan schätzt den volkswirtschaftlichen Verlust bis 2030 global auf 12 Trillionen US-Dollar. In den reicheren Ländern gingen durch unterlassene Krebsoperationen 1 bis 1,5 Prozent der Wirtschaftsproduktion verloren, in den ärmeren Ländern seien es 0,5 bis 1,0 Prozent. 

Angesichts der steigenden Zahl von Krebserkrankungen werden sich die Defizite in den nächsten Jahren noch verschärfen. Im Jahr 2030 müssen weltweit 45 Millionen Krebsoperationen durchgeführt werden. Den größten Anstieg wird es der Kommission zufolge mit 60 Prozent in Afrika südlich der Sahara geben. 

Die zusätzlichen Operationen müssten natürlich finanziert werden. Schon heute könnten sich viele Menschen in den ärmeren Ländern notwendige Krebsoperationen nicht leisten. Etwa ein Drittel der Menschen werde in Ländern mit niedrigen Einkommen durch die Kosten für die Krebsoperation in den finanziellen Ruin getrieben, bemerken die Forscher.

Noch größer scheinen die Defizite in der Strahlentherapie zu sein, da die Einrichtung der Behandlungseinrichtungen kostspielig ist. Eine zweite Kommission um Rifat Atun von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston hält es aber für möglich, auch in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Die Investitionskosten würden 97 Milliarden US-Dollar betragen. Dafür könnten dann aber durch die Strahlentherapie 27 Millionen Lebensjahre gerettet und die Wirtschaftskraft um 278 bis 365 Milliarden US-Dollar in den nächsten 20 Jahren gesteigert werden. © rme/aerzteblatt.de

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