Medizin

Mammakarzinom: Genexpressionstest kann Chemotherapie ersparen

Dienstag, 29. September 2015

New York – Ein Test, der die Expression von 21 Genen im Primärtumor misst, könnte einigen Brustkrebspatienten eine Chemotherapie ersparen. Dies zeigt eine Studie des US-National Cancer Institute im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1510764), die auch auf dem europäischen Krebskongress in Wien vorgestellt wurden.

Der Test, den der Hersteller Genomic Health aus Redwood City/Kalifornien mittlerweile in verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, anbietet, misst in einer Gewebeprobe des Tumors die Expression von 21 Genen. Erste Ergebnisse wurden bereits vor elf Jahren vorgestellt. Damals berichtete ein US-Forscherteam, dass der Test beim Lymphknoten-negativen Mammakarzinom die Prognose einer Tamoxifenbehandlung abschätzen kann (NEJM 2004; 351: 2817-26). Später kamen zwei retrospektive Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass sich mit Hilfe des Tests eine Gruppe von Patientinnen identifizieren ließe, die möglicherweise keine adjuvante Chemotherapie benötigt.

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Das US-National Cancer Institute hat dies in einer prospektiven Studie überprüfen lassen. Die prospektive Kohorte umfasst insgesamt 10.273 postmenopausale Patientinnen mit einem Mammafrühkarzinom. Alle Tumore waren Östrogen und/oder Progesteron-positiv und HER2/Neu-negativ. Die Lymphknoten waren nicht befallen. Alle Patientinnen erhielten eine Hormontherapie mit Tamoxifen oder einem Aroma­tasehemmer. Ob sie eine zusätzliche adjuvante Chemotherapie erhalten, wurde vom Ausgang des Gentests abhängig gemacht. Bei einem Score von 11 bis 25 Punkten (auf einer Skala von 0 bis 100) wurden die Frauen auf eine Chemotherapie oder Placebo randomisiert. Alle Frauen mit einem Score von über 25 Punkten erhielten auf jeden Fall eine Chemotherapie, bei einem Score von 0 bis 10 Punkten wurde darauf verzichtet. 

Die Ergebnisse aus der letzten Gruppe liegen jetzt vor. Von den 1.626 Frauen (15,9 Prozent der Gesamtgruppe) sind in den ersten fünf Jahren nach der Operation 88 erneut an Brustkrebs erkrankt oder gestorben. Joseph Sparano vom Albert Einstein College of Medicine errechnet eine 5-Jahres-Rate einer krankheitsfreien Überlebenszeit von 93,8 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 92,4 bis 94,9). Unter den 88 Patientinnen waren allerdings nur 8 mit einem lokoregionalen und 10 mit einem Fernrezidiv.

Da die Chemotherapie in erster Linie diese Fernrezidive verhindert, sagt die 5-Jahres-Rate von Frauen ohne lokoregionale oder Fernrezidive mehr über das Risiko aus, das mit einem Verzicht auf eine Chemotherapie verbunden ist. Diese Rate wird von Sparano mit 98,7 Prozent angegeben. Das enge 95-Prozent-Konfidenzintervall von 97,9 bis 99,2 Prozent zeigt, dass das mit dem Verzicht auf eine Chemotherapie verbundene Risiko sehr gering und nach Ansicht der Autoren vertretbar ist.

Mit Spannung werden jetzt die Ergebnisse des randomisierten Teils der Studie erwartet. Diese Kohorte mit einen Score von 11 bis 25 Punkten umfasst 67,3 Prozent aller Teilnehmerinnen. Der Hersteller bietet den Test in Deutschland für ca. 3000 Euro an. Als Cut-Off für ein niedriges Risiko gilt ein Score von unter 18 Punkten. © rme/aerzteblatt.de

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