Ärzteschaft

Orthopäden setzten bei Rückenschmerz auf mehr Patientenaufklärung

Dienstag, 29. September 2015

Berlin – Orthopäden und Unfallchirurgen wollen die Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen kritisch hinterfragen. „Denn vor allem Patienten mit nicht spezifischen Kreuzschmerzen, bei denen der Arzt keine körperliche Ursache feststellen kann, erhalten zu häufig Behandlungen ohne nachweislichen Nutzen“, sagte Hans-Jürgen Hesselschwerdt vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). Ein Beispiel sei die operative Entfernung eines Bandscheibenvorfalls, der weder die Nervenwurzel noch das Rückenmark bedränge, erläuterte Hans-Raimund Casser aus der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und ärztlicher Direktor des DRK Schmerz-Zentrums Mainz.

Berufsverband und Fachgesellschaften folgen damit der Initiative „Gemeinsam klug entscheiden“, welche die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in Deutschland vertritt.

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„Die Initiative soll aber auch Unterversorgung benennen“, betonte Hesselschwerdt. Zum Beispiel komme die Aufklärung der Patienten über Behandlungsalternativen oft zu kurz, so der Chefarzt der Theresienklinik Bad Krozingen. Studien wiesen aber darauf hin, dass bei gut informierte Patienten mit einem Bandscheibenvorfall, die Zahl der Eingriffe um mehr als 20 Prozent zurückgehen ohne das Patienten-Outcome zu beeinträchtigen.

„Das Gespräch zwischen Arzt und Patient wird derzeit über das DRG-System jedoch nicht ausreichend vergütet“, kritisierte der BVOU-Experte. Auch das bewusste Unterlassen von medizinischen Leistungen würde bisher nicht ausreichend anerkannt. „Wir fordern das Gesundheitssystem auf, nicht nur das Tun, sondern auch das aufwändige Aufklären über Alternativen besser zu vergüten“, so Hesselschwerdt.

© hil/aerzteblatt.de

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