Politik

Expertin: Krankenhäuser dürfen Nachwuchs nicht jeden Wunsch erfüllen

Dienstag, 29. September 2015

Berlin – Die Geschäftsführerin des Instituts für Beschäftigung und Employability, Jutta Rump, hat die Krankenhäuser dazu aufgefordert, sich auf einen langfristigen Wettbe­werb um Arbeitskräfte vorzubereiten. „Der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt hat begonnen. Aber: Was Sie heute erleben, ist erst der Anfang“, sagte Rump gestern auf dem 11. Personalkongress der Krankenhäuser in Berlin. Krankenhäuser müssten sich überlegen, was ihr Alleinstellungsmerkmal ist. „Und das ist nicht das 25. Arbeitszeit­modell – das haben die anderen auch“, so Rump. Zudem müssten die Krankenhäuser das Bild, das sie von sich selbst nach außen kommunizieren, auch nach innen leben. Täten sie dies nicht, „fliegt Ihnen Ihr Konzept spätestens im Internet um die Ohren“.

Die Expertin für Personalmanagement betonte, dass die junge Generation sehr gut wisse, dass sie ein knappes Gut sei. „Die Arbeitgeber hübschen sich gerade richtig auf für den Nachwuchs. Denn der Nachwuchs weiß, dass er ganz anders verhandeln kann als frühere Generationen.“

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Leitplanken setzen, über die auch die Jüngeren nicht verhandeln können
Wenn Krankenhäuser auf die Wünsche junger Ärzte eingingen, müssten sie aber auch darauf achten, den Rest der Belegschaft nicht vor den Kopf zu stoßen. „Der Oberarzt im Alter von 50 Jahren versteht die Welt nicht mehr, wenn sein Arbeitgeber einem jungen Arzt Zugeständnisse macht, die er selbst früher nicht erhalten hat“, so Rump. Für die Arbeitgeber sei es daher sehr wichtig, die Balance zwischen den Wünschen der Arbeitnehmer zu finden.

„Die Arbeit funktioniert nur, wenn Jung und Alt gut miteinander arbeiten können“, betonte sie. „Dafür muss man bestimmte Leitplanken setzen, die für alle gelten und über die auch die Jüngeren nicht verhandeln können.“ Innerhalb der Leitplanken könne man aber für alles eine Lösung finden.

„Extreme Hierarchieorientierung“ angehen
„Es gibt drei Zielgruppen, denen sich das Personalmanagement zuwenden muss: die Jüngeren, die Mittelalten zwischen 35 und 55 Jahren und die Älteren“, erklärte Rump. „Die Mittelalten schultern zwar das operative Geschäft. Aber viele Personaler haben sie nicht im Blick.“ Jede Zielgruppe brauche aber eine klare Fokussierung. Zurzeit beschäftigten sich viele Krankenhäuser stark mit den Jüngeren, mit der Gewinnung neuer Arbeitskräfte. Die anderen Mitarbeiter dürften dabei aber nicht aus dem Blick geraten.

Rump betonte, dass „die Herausforderungen, vor denen Krankenhäuser stehen, höher sind als bei anderen Betrieben“. Denn Krankenhäuser müssten innerhalb der Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems agieren. Zudem mache es einen Unterschied, ob man Gegenstände herstelle oder Menschen heile.

„Viele Krankenhäuser haben sich trotz der schwierigen Bedingungen bereits auf den Weg gemacht, sich der Zukunft zu stellen“, meinte Rump. Manche Themen seien viele Häuser jedoch noch nicht angegangen, zum Beispiel die „extreme Hierarchie­orientierung“ im Krankenhaus. Diese entspreche nur noch bedingt der gesellschaftlichen Situation.

© fos/aerzteblatt.de

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