Medizin

Mammographie: Computerassistierte Detektion in Studie ohne Vorteile

Mittwoch, 30. September 2015

Boston - Die computerassistierte Detektion (CAD), mittlerweile vielerorts Standard in der Befundung von Mammographien, hat laut einer US-Studie in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.5231) die diagnostische Qualität nicht verbessert. Die Fehlerrate war sogar tendenziell höher als ohne CAD.

Die CAD-Methode wurde in den USA von der Food and Drug Administration bereits 1998 zugelassen. Damals wurden die meisten Mammographien noch analog durchgeführt. Die Radiologen mussten die Bilder zunächst einscannen, bevor die Software nach auffälligen Strukturen im abgebildeten Brustgewebe suchen konnte. Der hohe personelle Aufwand schreckte die US-Radiologen ab. Die Methode setzte sich erst durch, als – dank einem intensiven Lobbying der Hersteller – Medicare bereit war, die Mehrkosten zu erstatten. Im Nachhinein fragt sich der Editorialist Joshua Fenton vom Davis Health System in Sacramento, ob die FDA die Vorteile der Technik damals ausreichend geprüft hat.

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Inzwischen sind die meisten Zentren auf die digitale Mammographie umgestiegen, und die CAD kann ohne großen Aufwand per Mausklick gestartet werden. Es sind jedoch auch die Zweifel gewachsen, ob die Technik überhaupt einen Vorteil bietet. Ein Team um Constance Lehman vom Massachusetts General Hospital in Boston hat hierzu die Daten des Breast Cancer Surveillance Consortium ausgewertet, einer Gruppe von sieben akademischen Zentren, die im Auftrag des National Cancer Institute eine wissenschaftliche Begleitforschung zur Mammographie betreibt.

Die Forscher haben die Befunde von 271 Radiologen, die in sieben Jahren mehr als 625.000 Mammographien beurteilt hatten, mit den Einträgen in Tumorregistern abgeglichen. Von den 323.973 Frauen waren 3.159 innerhalb eines Jahres mit einer Brustkrebserkrankung registriert worden. Die Radiologen hatten diese Tumore mit der CAD-Methode keineswegs besser erkannt: Die Sensitivität auf eine Brustkrebsdiagnose betrug mit CAD 85,3 Prozent und ohne 87,3 Prozent. Die Spezifität betrug 91,6 Prozent mit CAD und 91,4 Prozent ohne CAD.

Die Autoren fanden auch keinen Unterschied in der Diagnoserate: Mit und ohne CAD wurde bei 4,1 von 1.000 Frauen ein Tumor entdeckt. Bei den invasiven Mamma­karzinomen betrug die Erkennungsrate 2,9 versus 3,0 pro 1.000 Frauen. Nur für das duktale Carcinoma in situ (DCIS) war die Erkennungsrate mit CAD-Unterstützung etwas besser: 1,2 versus 0,9 pro 1.000 Frauen. Die klinische Bedeutung dieser Tumore ist allerdings umstritten.

In einer Subgruppen-Analyse, die diagnostische Genauigkeit einzelner Radiologen untersuchte, war die Sensitivität unter Verwendung der CAD sogar signifikant niedriger: Odds Ratio 0,53 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,29-0,97).

Für die Autoren stellt sich die Frage, ob eine Untersuchung, die die Befundung tendenziell verschlechtert, die 7 US-Dollar wert ist, die Medicare für die CAD-Untersuchung extra zahlt. Landesweit summieren sich die Kosten auf etwa 400 Millionen US-Dollar pro Jahr. © rme/aerzteblatt.de

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