Medizin

Infektionen können Schlaganfälle bei Kindern auslösen

Sonntag, 4. Oktober 2015

San Francisco – Den verhältnismäßig seltenen Schlaganfällen im Kindesalter gehen häufig Infektionen voraus. Dies zeigen die Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie in Neurology (2015; 10.1212/WNL.0000000000002065). Auch Kinder ohne ausreichenden Impfschutz haben ein erhöhtes Risiko.

Die Inzidenz von Schlaganfällen in der Kindheit wird mit 2,3 bis 16 pro 100.000 und Jahr angegeben. Sie sind damit deutlich seltener als Schlaganfälle im Alter. Es ist klar, dass ein ischämischer Insult im Kindesalter andere Ursachen haben muss, da Kinder keine atherosklerotischen Blutgefäße haben und nicht am Vorhofflimmern erkranken.

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Eine Analyse der VIPS-Studie („Vascular Effects of Infection in Pediatric Stroke“) liefert jetzt erste Hinweise. Heather Fullerton vom Children's Hospital San Francisco und Mitarbeiter verglichen die Daten von 355 zentral bestätigten akuten ischämischen Schlaganfällen, die im Alter von 29 Tagen bis 18 Jahren aufgetreten waren, mit 354 Kontrollen.

Für 18 Prozent der Kinder mit Schlaganfall war in der Woche vor dem Insult eine Infektion dokumentiert. Am häufigsten waren dies obere Atemwegsinfektionen. In der Kontrollgruppe traten nur bei 3 Prozent der Kinder Infektionen in der Woche vor der Befragung auf. Fullerton errechnet ein um den Faktor 6,3 erhöhtes Schlaganfallrisiko im Anschluss an eine Infektion. Interessanterweise hatten auch Kinder ohne ausreichenden Impfschutz ein um den Faktor 7,3 erhöhtes Risiko. Kinder mit dunkler Hautfarbe (Odds Ratio 1,9) und Kinder aus ländlichen Gebieten (Odds Ratio 3,0) sind ebenfalls gefährdet.

Über die Pathomechanismen gibt es nur Vermutungen. Die Editorialisten Jose Biller von der Stritch School of Medicine in Maywood/Illinois und Geoffrey Heyer von der Ohio State University in Columbus könnten sich vorstellen, dass die systematische Entzün­dungsreaktion bei einer Infektion eine Rolle spielt. Auch eine Dehydrierung und die Aktivierung des Gerinnungssystems könnte bei Kindern den letzten Anstoß für den Schlaganfall geben.

Es dürfte aber weitere Gründe geben, warum einige Kinder mehr als andere gefährdet sind. Warum Impfungen vor einem Schlaganfall schützen könnten, ist gänzlich unklar. Die American Academy of Neurology macht darauf aufmerksam, dass das absolute Risiko eines Kindes, nach einer Atemwegsinfektion an einem Schlaganfall zu erkranken, sehr gering ist. © rme/aerzteblatt.de

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