Medizin

Therapie­entscheidungen: Arzt und Patient sollten sie gemeinsam treffen

Sonntag, 4. Oktober 2015

Köln – Arzt und Patient entscheiden gemeinsam, welche Behandlung vorgenommen wird – dieses Ideal ist heute in Deutschland im Patientenrechtegesetz und in der Musterberufsordnung der Ärzte verankert. Die sogenannte partizipative Entschei­dungsfindung (PEF) gilt dabei als Goldstandard, bei der Arzt und Patient ihr Wissen über die Krankheit und Therapien austauschen, die möglichen Behandlungen diskutieren und sich gemeinsam für eine entscheiden.

Im Deutschen Ärzteblatt (Ausgabe 40) mit dem Schwerpunktthema "Patien­tenbeteiligung" gehen zwei Originalarbeiten den Fragen nach: Nutzt dem Patienten die PEF? Wirkt seine Therapie dadurch besser? Was bringt eine PEF-Fortbildung den Ärzten?

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In ihrer Übersichtsarbeit haben Katarina Hauser und Koautoren (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 665-71) Studien untersucht, in denen einige Patienten an einer PEF teilgenommen haben, während für die anderen die Behandlung konventionell entschieden wurde. Sie verglichen anhand sogenannter krankheitsrelevanter Endpunkte, bei welcher Patienten­gruppe die Therapie wirksamer war. In nur knapp der Hälfte der Studien zeigt sich nach PEF eine Verbesserung der Therapieergebnisse. Jedoch weisen die Autoren darauf hin, dass aufgrund der geringen Zahl auswertbarer Arbeiten – nur 22 Studien entsprachen den Einschlusskriterien – kein abschließendes Urteil über PEF getroffen werden konnte.

Martin Härter und Koautoren (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 672-9) analysierten in ihrer randomisierten kontrollierten Studie, ob Ärzte nach einer zwölfstündigen PEF-Schulung besser auf die Entscheidungsgespräche mit ihren Krebspatienten vorbereitet sind und ob diese davon profitieren.

Dazu wurden die Betroffenen direkt vor und drei Monate nach ihrem Arzt-Patienten-Gespräch über einen Fragebogen interviewt und unter anderem ihre Sicherheit und Zufriedenheit mit ihrer Entscheidung abgefragt. Dabei zeigte sich, dass Patienten von PEF-geschulten Ärzten bei ihrer Wahl nicht sicherer sind als von PEF-ungeschulten. Allerdings empfinden sich die Mediziner nach ihrer Fortbildung kompetenter für PEF und ihre Patienten zeigten leicht geringere Ängstlichkeits- und Depressionswerte. Die Autoren betonen, dass die geringe Zahl der durchgängig teilnehmenden Ärzte – immerhin nur 23 der 900 angeschriebenen – durch viele Barrieren zu Stande kommen und eine Förderung von PEF-Trainings- und Evaluationsstudien notwendig ist.

© mei/aerzteblatt.de

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