Ärzteschaft

KV Niedersachsen: Die Politik fördert einseitig die Krankenhäuser

Montag, 5. Oktober 2015

Hannover – Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat die Eckpunkte der Bund-Länder Arbeitsgruppe zum Entwurf des Krankenhausstrukturgesetzes scharf kritisiert. Der Entwurf sieht vor, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) künftig Portalpraxen als erste Anlaufstellen in oder an Krankenhäusern einrichten und bezahlen. Sei dies nicht möglich, sollen die KVen die Krankenhausambulanzen in den vertragsärztlichen Notfalldienst einbinden.

„Die staatlichen Eingriffe in die Grundstrukturen der ambulanten Medizin nehmen immer groteskere Züge an“, monierte KVN-Vorstandsvorsitzender, Mark Barjenbruch, heute in Hannover. Er warf der Politik vor, einseitig die Krankenhäuser zu fördern und den ambu­lanten Sektor verstärkt für die Sicherstellung des Versorgungsauftrags in die Pflicht zu nehmen.

Anzeige

Dabei sei die im Eckpunktepapier gesetzlich vorgegebene Kooperation von KV und Krankenhäusern zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung außerhalb der Sprechzeiten in vielen Teilen des Landes bereits gelebte Praxis. Allein in Niedersachsen tragen laut KVN 68 kassenärztliche Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern dazu bei, die ambulante Notfallversorgung im Rahmen des Bereitschaftsdienstes weiter zu verbessern.

Trotzdem warnte Barjenbruch davor, die Handlungsmöglichkeiten der regionalen Akteure durch einseitige Belastungen unnötig einzuschränken. „Um die Kooperation zu fördern, bedarf es keiner engen Vorgaben, wie die Kooperation zu gestalten ist“, so der KV-Chef. Er forderte stattdessen klare Richtlinien für die ambulante Behandlung in Krankenhäusern. „Dazu gehört im Sinne einer echten Patientensteuerung auch der Mut, zu unterbinden, dass Patienten völlig beliebig jede Einrichtung aufsuchen können“, so der KV-Chef.

Krankenhausambulanzen seien weder aus medizinischer noch aus ökonomischer Sicht als erste Anlaufstelle für Patienten geeignet. „Wer vermeidbare Krankenhausaufnahmen reduzieren will, muss die Inanspruchnahme von Krankenhausambulanzen minimieren – also steuern“, stellte Barjenbruch klar.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

19.01.17
Berlin – In die Diskussion, wie die Überschüsse in den öffentlichen Haushalten verwendet werden sollen, haben sich jetzt auch die Krankenhäuser eingeschaltet. „Der Krankenhausbereich muss an oberster......
17.01.17
Mainz – Ein positives Fazit der Reform des allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienstes in Rheinland-Pfalz zieht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Bundeslandes. Laut einer Befragung der Leitungen......
13.01.17
Greifswald – Bei der medizinischen Notfallversorgung geht der ländlich geprägte Kreis Vorpommern-Greifswald neue Wege. So sollen künftig sogenannte Tele-Notärzte in Gebieten mit längeren Anfahrtswegen......
02.01.17
Erfurt – Thüringens Krankenhäuser erhalten in diesem Jahr mehr Geld für die Ausbildung von Pflegern. Die Summe betrage 24,7 Millionen Euro, eine Million mehr als 2016, teilte der Verband der......
30.12.16
Niedersachsens Krankenhäuser sehen sich weiter in Misere
Hannover – Die niedersächsischen Krankenhäuser sehen ihre finanzielle Situation weiterhin kritisch. Rund die Hälfte der Kliniken im Land habe 2015 keine tragfähigen Ergebnisse erwirtschaftet, teilte......
22.12.16
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Praxen dazu aufgerufen, vor den Feiertagen noch einmal die Werbetrommel für die deutschlandweite Bereitschaftsdienstnummer zu rühren. Eine......
20.12.16
Krankenhauskosten deutlich gestiegen
Wiesbaden – Ein im Krankenhaus stationär behandelter Patient hat 2015 im Schnitt 4.378 Euro gekostet. Das waren 3,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das hat heute das Statistische Bundesamt (Destatis)......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige