Medizin

Fluorchinolone erhöhen Risiko auf Aortenaneurysma

Montag, 5. Oktober 2015

Douliou – Die Verordnung von Fluorchinolon-Antibiotika war in einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Internal Medicine (2015; doi:10.1001/jamainternmed.2015.5389) mit einer erhöhten Rate von Hospitalisierungen aufgrund eines Aorten-Aneurysmas oder einer Aortendissektion assoziiert.

Frühere Untersuchungen haben Fluorchinolone, eine der am häufigsten verwendeten Gruppe von Antibiotika, bereits mit einer erhöhten Rate von Tendinitiden und Sehnenrupturen in Verbindung gebracht – die Fachinformationen weisen darauf hin. Auch das Risiko von Netzhautablösungen scheint erhöht zu sein – ohne Hinweis in den Fachinformationen.

Anzeige

Die Pathogenese ist nicht ganz klar. Die in vitro nachgewiesene gesteigerte Aktivität von Metalloproteinasen – Enzymen die Kollagene spalten – könnte die seltene Komplikation erklären. Da auch das Aortenaneurysma Folge einer Bindegewebsschwäche ist – bekannte genetische Ursachen sind Marfan- und Ehlers-Danlos Syndrom – liegt es nahe, dass Fluorchinolone auch das Risiko von Aortenaneurysma und Aortendissektion erhöhen.

Chien-Chang Lee von der Nationalen Universitätsklinik von Taiwan in Douliou und Mitarbeiter haben hierzu die Daten von etwa einer Million Versicherten ausgewertet. Darunter waren 1.477 Patienten, die wegen eines Aortenaneurysmas oder einer Aortendissektion im Krankenhaus behandelt wurden.

Die Gegenüberstellung mit der zehnfachen Anzahl von Patienten ohne Aorten­aneurysma oder Aortendissektion ergab, dass die Verordnung eines Fluorchinolon-Antibiotikums innerhalb der letzten 60 Tage mit einem zweieinhalbfach erhöhten Risiko auf eine Hospitalisierung wegen eines Aortenaneurysmas oder einer Aortendissektion verbunden war. Das relative Risiko (RR) von 2,43 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,83 bis 3,22 statistisch signifikant. Für eine frühere Verordnung fanden die Forscher ebenfalls ein erhöhtes Risiko (RR 1,48; 1,18-1,86).

Die Zahl der tödlichen Aortenaneurysmata hat in den meisten Ländern in den letzten Jahren zugenommen. In den USA sterben jährlich etwa 15.000 Patienten daran. Auch Fluorchinolone werden häufiger eingesetzt. Sofern die Assoziation kausal ist, könnten nach einer Berechnung von Lee zwischen 2,8 und 5,2 Prozent der Fälle auf die Einnahme von Fluorchinolonen zurückzuführen sein.

Das individuelle Risiko, nach einer – hoffentlich notwendigen – Antibiotika-Behandlung wegen eines Aortenaneurysmas behandelt werden zu müssen, ist gleichwohl sehr gering. Dennoch sollten Ärzte dieses Risiko in ihrer Nutzen-Risiko-Kalkulation vor der Verordnung berücksichtigen, schreibt ein Editor des Journals.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

29.07.16
Tübingen - Ein deutsches Forscherteam hat ein Antibiotikum entdeckt, mit dem Staphylokokken in der Nase andere Keime verdrängen. Die Substanz war laut einer Studie in Nature (2016; 535: 511-516) auch......
28.07.16
Silver Spring – Wegen der Gefahr von seltenen, aber langfristigen Nebenwirkungen im Bewegungsapparat oder im Nervensystem sollten Fluorchinolone nach Einschätzung der US-Arzneibehörde FDA bei......
21.07.16
Hannover – In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Proben mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) aus Krankenhäusern in Niedersachsen gesunken: von 25 Prozent auf zuletzt 17,8......
20.07.16
Bonn/München – Rund ein Drittel der Leberzirrhose-Todesfälle ist auf bakterielle Infektionen zurückzuführen. Die Ursache dafür sind unschädliche Darmbakterien, die in die Leber wandern und dort die......
07.07.16
Neuer Bluttest unterscheidet zwischen viraler und bakterieller Infektion
Ein neuer Bluttest unterscheidet bakterielle von viralen Infektionen. Mit ihm könnten Ärzte Antibiotika noch gezielter einsetzen und somit Resistenzen verhindern. Zu diesem Schluss kommen die Autoren......
05.07.16
Neuer Schnelltest für Pyrogene
München – Forscher vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben einen Prototypen entwickelt, der schnell und günstig Lipopolysaccharide (LPS), Bestandteile......
05.07.16
Brüssel – Noch immer wissen zu wenige Bürger in Deutschland und der Europäischen Union (EU), gegen welche Keime Antibiotika wirken. Das zeigt eine neue sogenannte Eurobarometer-Umfrage der......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige