Ärzteschaft

Ärzteschaft verurteilt Angriffe auf Gesundheits­einrichtungen in Kriegsgebieten

Dienstag, 6. Oktober 2015

Berlin/Ferney-Voltaire – Bundesärztekammer (BÄK), Weltärztebund sowie die Hilfs­organisation Ärzte ohne Grenzen haben den US-Luftangriff auf das Krankenhaus im afghanischen Kundus am vergangenen Wochenende scharf verurteilt. Ärzte ohne Grenzen forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls in Kundus. Bei dem Luftangriff waren zwölf Mitarbeiter und zehn Patienten der Hilfsorganisation ums Leben gekommen.

Humanitäre Hilfseinsätze: Helfer geraten zur Zielscheibe

Ärzte und Krankenpfleger, die in Kriegs- und Krisengebieten medizinische Hilfe leisten, werden immer häufiger selbst Opfer von Gewalt. 1 800 Übergriffe auf medizinische Einrichtungen zählte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 2012 und 2013 – Tendenz steigend. 

„Die Bombardements waren eine schwere Verletzung des Humanitären Völkerrechts. Für diesen abscheulichen Angriff gibt es keine Rechtfertigung“, unterstrich Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. Im Vorfeld des Luftangriffes habe es auf dem Krankenhausgelände keinerlei Kampfhandlungen gegeben. Westphal kritisierte auch die mangelnde Bereitschaft der USA, sich der Verantwortung zustellen.

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„Zunächst versuchte die US-Regierung die Angriffe als 'Kollateralschaden' abzutun. Dann wurde von einem tragischen Zwischenfall gesprochen. Zuletzt gab sie die Verantwortung für die Bombardements an die afghanische Regierung weiter“, so der Geschäftsführer. Er forderte eine umfassende und transparente Untersuchung des Vorfalls durch eine unabhängige internationale Instanz. „Es wäre völlig unzureichend, sich bei der Aufklärung ausschließlich auf eine interne Untersuchung durch einen in den Konflikt involvierten Akteur zu verlassen“, warnte er.

Die BÄK wies anlässlich des Zwischenfalls erneut auf die Bedeutung des besonderen Schutzes von Ärzten und Pflegekräften in Kriegssituationen hin: „Das medizinische Personal sichert die Versorgung der Zivilbevölkerung und von Verletzten, ganz gleich welcher Kriegspartei“, unterstrich BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery.  Er sieht in dem Angriff auf das Krankenhaus in Kundus ein weiteres Beispiel dafür, dass  Gesundheitseinrichtungen immer häufiger durch kriegerische Auseinandersetzungen gefährdet seien.

Auch der Präsident des Weltärztebundes, Xavier Deau, betonte die Notwendigkeit, die Sicherheit von Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen, Patienten und Gesundheits­personal in bewaffneten Konflikten zu gewährleisten. Dabei sei  die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes für den Schutz von  Gesundheits­einrichtungen besonders wichtig. Der Weltärztebund hatte bereits in mehreren Resolu­tionen, wie etwa der Stellungnahme zum Schutz und der Integrität von Gesundheits­personal in bewaffneten Konflikten und anderen Gewaltsituationen, auf diese Problematik hingewiesen.   

Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen war die einzige Einrichtung dieser Art im Nordosten von Afghanistan. Im Jahr 2014 erhielten dort mehr als 22.000 Patienten Hilfe – mehr als 5.900 Operationen wurden durchgeführt. © hil/aerzteblatt.de

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