Politik

Bundesgerichtshof billigt Werbung für Eizellspende in Tschechien

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Karlsruhe –Tschechische Reproduktionsmediziner dürfen hierzulande damit werben, dass die notwendigen Vorbehandlungen für die in Tschechien zulässige Eizellspende von deutschen Ärzten in Deutschland vorgenommen werden können. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag. Das Verbot der Eizellspende in Deutschland solle dem Kindeswohl dienen, nicht aber Werbe- und Marktverhaltensregeln aufstellen, erklärten die Karlsruher Richter zur Begründung. (Az: I ZR 225/13)

Sie gaben damit einem Reproduktionsmediziner aus Tschechien Recht, der Frauen auch durch Eizellspende gezeugte Embryonen einsetzt. In Tschechien ist dies im Gegensatz zu Deutschland erlaubt.

Nach dem Embryonenschutzgesetz droht demjenigen eine bis zu dreijährige Haft oder Geldstrafe, der auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt.

In anderen europäischen Ländern wie Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Spanien oder in Tschechien ist die Eizellspende hingegen erlaubt. Schätzungen zufolge reisen jährlich mehrere Hundert Frauen oder Paare ins Ausland, in der Hoffnung, dort mit einer Eizellspende den Kinderwunsch zu erfüllen. dpa

Anzeige

Bei einer Informationsveranstaltung 2008 in Hamburg wies der Arzt darauf hin, dass er in Tschechien den Kinderwunsch auch mit Eizellspende erfüllen kann. Dabei sei es möglich, dass niedergelassene Ärzte in Deutschland die notwendigen Vorbehandlungen bei der Spenderin und der Empfängerin der Eizelle vornehmen.

Dagegen wandte sich ein Arzt eines Fruchtbarkeitszentrums in Berlin. Mit seiner Werbung stifte der tschechische Kollege deutsche Ärzte dazu an, Beihilfe zu der in Deutschland verbotenen Eizellspende zu leisten.

Nach dem Karlsruher Urteil war die Werbung jedoch zulässig. Das Verbot der Eizellspende in Deutschland diene allein dem Kindeswohl. Es solle verhindern, dass Kinder in ihrer seelischen Entwicklung beeinträchtigt werden, weil sie sich mit zwei Müttern - einer genetischen und einer austragenden - konfrontiert sehen. Ein „wettbewerblicher Schutzzweck” oder eine „Marktverhaltensregelung” sei damit nicht verbunden.

© afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

06.12.16
Nicht jede sportliche Aktivität verbessert die Spermienqualität
Urmia – Bewegungsarme Männer können Anzahl und Beweglichkeit ihrer Spermien verbessern, indem sie sich regelmäßig sportlich betätigen. Aber nicht jede körperliche Betätigung wirkt gleich gut. Am......
08.11.16
„Ein funktionstüchtiges Spermienreservoir ist unerlässlich für die Befruchtung.“
Leipzig – Glykokonjugate auf dem Eileiterepithel und der Spermienplasmamembran spielen eine Rolle bei der Bildung eines Spermienreservoirs. Das zeigen Studien aus München und Dublin. Die Formierung......
31.10.16
Berlin – Deutliche Kritik an dem von der Bundesregierung geplanten Samenspenderregistergesetz übt die Bundesärztekammer (BÄK). Es sei versäumt worden, „wesentliche gesellschaftspolitische und......
24.10.16
Erfurt – Unverheiratete Paare nutzen die seit diesem Jahr mögliche Förderung für Kinderwunschbehandlung in Thüringen. Insgesamt hätten in diesem Jahr bisher 591 Paare einen Förderantrag gestellt,......
18.10.16
Medizinisch assistierte Reproduktion: Frauen über 40 profitieren
Adelaide – Frauen über 40 tragen aufgrund ihres Alters ein erhöhtes Risiko, dass ihr Kind mit einem Geburtsschaden zur Welt kommt – vor allem, wenn sie sich für eine medizinisch assistierte......
18.10.16
Madrid – Eine 62 Jahre alte Frau hat in Spanien ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Das Mädchen war bereits in der vergangenen Woche bei einem zeitlich programmierten Kaiserschnitt in Lugo in der......
17.10.16
Samenspende: Bundesweites Register geplant
Berlin – Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will ein Register für Samenspender aufbauen, damit Kinder aus künstlicher Befruchtung immer die Identität ihres leiblichen Vaters erfahren können. Zu......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige