Politik

World Health Summit fordert größere Anstrengungen im Kampf gegen Anti­biotika-Resistenzen

Dienstag, 13. Oktober 2015

Berlin – Im Kampf gegen zunehmende Antibiotika-Resistenzen muss die internationale Gemeinschaft größere Anstrengungen unternehmen. Das forderten Wissenschaftler und Gesundheitsexperten gestern beim 7. World Health Summit in Berlin. 700.000 Men­schen sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr, weil Antibiotika nicht mehr wirken, allein 10.000 in Deutschland.

Seit 26 Jahren keine neue Klasse von Antibiotika mehr entdeckt 
„Wenn wir im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen nicht bald handeln, bedeutet das das Ende der modernen Medizin“, erklärte Chief Medical Officer for England, Sally C. Davies. Selbst Routineoperationen würden dann wieder zu lebensgefährlichen Ein­griffen. In den letzten 26 Jahren sei keine neue Klasse von Antibiotika mehr entdeckt worden. Deshalb müsse mehr in Forschung und Entwicklung dieser wichtigen Medika­mente investiert werden. Außerdem müssten Ärzte und Patienten sorgsamer mit den vorhandenen Antibiotika umgehen, um Resistenzentwicklungen möglichst zu vermeiden.

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Für eine bessere Forschung über den Einsatz und die Einnahme von Antibiotika sprach sich auch Manica Balasegaram von Ärzte ohne Grenzen (MSF) aus. „Wir müssen wissen, was vor Ort vor sich geht“, sagte er. Das gelte auch für ärmere Länder, in denen viele Patienten noch immer keinen Zugang zu Antibiotika hätten. Um einen sorgsameren Umgang mit den Medikamenten zu fördern, müsse verstärkt über Biomarker geforscht werden, die beispielsweise schnell  Klarheit darüber schaffen, ob es sich um einen bakteriellen oder einen viralen Infekt handelt.

Andere Anreize als Marktexklusivität durch Patente schaffen
„Wir brauchen eine Art Fiebertest. Das würde Therapiemuster gerade in armen Ländern entscheidend verändern“, sagte Balasegaram. Denn dort kämen Patienten oft sehr krank von weit her und könnten sich nicht langwierigen Tests unterziehen. Dort gelte es, schnell zu handeln. Aber 90 Prozent der Biomarker würden für die Industrieländer entwickelt, weil das finanziell lukrativer sei. „Wir brauchen andere Anreizsysteme für die Industrie als die Marktexklusivität durch Patente“, forderte Balasegaram, der die MSF-Kampagne zum Zugang zu lebensnotwendigen Arzneimitteln leitet.

Als Fortschritt im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen bezeichneten es die Gesund­heitsexperten einmütig, dass sich auch die sieben führenden Industrienationen dazu bekannt hätten, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Bei ihrem jüngsten Treffen in Berlin hatten die G7-Gesundheitsminister in ihrer Abschlusserklärung bekräftigt, dass Antibiotika nur zu therapeutischen Zwecken verabreicht und einer generellen Verschrei­bungspflicht unterstellt werden sollten. Außerdem sollen neue Anreizsysteme für Forschung und Entwicklung von Antibiotika entwickelt werden.

Bereits im Mai hatte sich die Weltgesundheitsversammlung auf einen Aktionsplan zum Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen geeinigt. Damit verbunden war ein Aufruf an die Mitgliedstaaten der WHO, die dort vereinbarten Ziele innerhalb von zwei Jahren in nationale Strategien umzusetzen. Dazu gehört eine bessere Hygiene in Kranken­häusern, eine verbesserte Ausbildung von Ärzten und Landwirten über den Einsatz von Antibiotika, bessere Forschungsanreize für die Industrie und eine generelle Verschrei­bungspflicht. © HK/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 13. Oktober 2015, 19:12

Werde ich das noch einmal erleben?

Manchmal träume ich davon, Wissenschaftler und "Gesundheits"-experten des Berliner World Health Summit, die gute alte WHO, die G-7-Fachminister und auch Medien, Politik und Öffentlichkeit würden endlich aufwachen! Und von einem Welt-"Krankheits"-Gipfel statt von einem "World Health Summit", von Ministerien für "Krankheitsbewältigung" statt Gesundheit oder von "K r a n k h e i t s-" statt Gesundheitskrisen sprechen.

Doch beim heutigen "Gesundheitshype" kann man ja schon froh sein, dass Rettungswagen nicht in "Gesundheits"-Wagen, Notarztwagen nicht in "Heiler-Express", Krankenwagenfahrten nicht in "Heilfahrten" und Rettungshubschrauber-Flüge nicht in "Heilflüge" umgetauft werden. Die "Rettungsgasse" auf der Autobahn nicht zur "Gesundheitsgasse" mutieren, Krankenhäuser nicht als "Heilerzentren" mit Reanimationen als "Gesundheits-Rückgewinnungen" umfirmiert werden sollen.

Die 194 Staaten, welche die WHO finanzieren, werden seit Jahrzehnten mit unverbindlich haltlosen Versprechungen in die Irre geführt: "Gesundheit für Alle bis zum Jahr 2000" der WHO war bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts leitmotivisch absolut weltfremd und surrealistisch. Selbst fach- und sachbezogene Aktivitäten bei Krankheits- und Naturkatastrophen, Seuchen- und Epidemie-Bekämpfungen werden pseudologisch mit Gesundheits-Ansprüchen oder Wohlfühl-Versprechungen verbrämt.

Nein, wenn es um internationale Unterstützung und Finanzierung von Projekten geht, mit denen alle Arten von K r a n k h e i t e n, Not, Armut, Elend, Katastrophen und bio-psycho-soziale Traumatisierungen weltweit bekämpft werden sollten, ist der permanente Gesundheits-Schmusekurs der WHO obsolet. Weltweit berechtigte Interessen von Patientinnen und Patienten bzw. von vital bedrohten Kranken und Chronikern kann die WHO nur überzeugend wahren, wenn Sie endlich mal die Krankheiten und ihre Folgen mit ihren Namen benennt. Alles andere ist gesundheitsduselige Augenwischerei!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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