Politik

Pflege:Gesetz zur generalistischen Pflegeausbildung vor dem Aus?

Dienstag, 20. Oktober 2015

Berlin – Der pflegepolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Erwin Rüddel, sieht das geplante Pflegeberufegesetz kurz vor dem Scheitern. Daran seien aus seiner Sicht das Gesundheitsministerium sowie das Bundesfamilienministerium und die Länderminister schuld. Auf seiner Internetseite beschreibt der CDU-Politiker sein Unbehagen über den derzeitigen Fortgang bei den Verhandlungen zwischen den beiden Bundesministerien. Aus seiner Sicht führe „eine ideologisch befrachtete Position der SPD wohlmöglich zum Scheitern des gesamten Gesetzgebungsvorhabens.“ Und weiter: „Ehe das passiert plädiere ich für eine radikale Rückbesinnung auf den ursprünglichen Leitgedanken des Gesetzes.“

Anzeige

Das Gesetz – wie es im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist – soll eine generalistische Pflegeausbildung einführen. Nach den Koalitionsplänen soll es eine Ausbildung für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege geben – auch, um dem Pflegekräften den Beruf attraktiver zu machen. Dazu sollen auch eine Harmonisierung der unterschied­lichen Ausbildungsvorschriften in den 16 Bundesländern, eine angeglichene Ausbildungs­vergütung und generalisierte Ausbildungsinhalte zählen.

Nach Rüddels Beschreibungen konnten sich die Länder mit den Bundesministerien derzeit noch nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. „Aber angesichts der stockenden Reform plädiere ich dafür, vorläufig Abschied von der Generalistik zu nehmen und stattdessen zunächst nur die Altenpflege zu reformieren und hier ein einheitliches Berufsbild mit klarer Qualifikation in Deutschland zu schaffen“, so Rüddel auf seiner Internetseite. Auch kritisiert er, dass es nach bisherigem Verhandlungsstand keine konkreten Ausbildungsinhalte gebe, die sollten erst im Nachhinein per Erlass geregelt werden.

Kritik vom Koalitionspartner: SPD will am Gesetz festhalten
Für den Koalitionspartner der SPD ist klar, an dem Gesetzesvorhaben festhalten zu wollen. „Die SPD hält an der im Koalitionsvertrag vereinbarten Zusammenführung der bislang getrennten Berufsausbildungen für die Kranken- und die Altenpflege fest“, hieß es dazu aus den Büros der SPD-gesundheitspolitischen Sprecherin Hilde Mattheis und der zuständigen Berichterstatterin Bettina Müller. „Ein modernisierter, generalistischer Pflegeberuf erweitert zudem die beruflichen Perspektiven der Pflegefachkräfte und verschafft dem Altenpflegeberuf endlich die überfällige EU-weite berufs­rechtliche Anerkennung“, schreiben beide Politikerinnen. Nach ihrer Aussage liege bereits ein gemeinsam erarbeiteter Entwurf für ein Pflegeberufegesetz vor, der als Grundlage für die Diskussion dienen könnte.

Auch Pflegerat warnt vor Scheitern der Reform
Auch der Deutsche Pflegerat (DPR) warnt davor, die Pläne nun aufzugeben: „Sollte die im Koalitionsvertrag festgelegte Reform der Pflegeausbildung scheitern, wäre dies eine Blamage für die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag sowie ein Armuts­zeugnis zugleich“, erklärte  Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates. „Anstatt sich für bessere Ausbildungsbedingungen und attraktivere Arbeitsbedingungen einzusetzen, werden die Befürchtungen der Auswirkungen einer gemeinsamen Pflegeausbildung von einigen Einrichtungs- und Schulträgern einseitig und sachlich falsch überbewertet“, greift Westerfellhaus Kritik von Gegnern an der generalistischen Ausbildung auf.

Der DPR-Präsident warnte die Pflegepolitiker davor, sich von den Pflegeschulbetreibern überzeugen zu lassen. „Anstatt sich für bessere Ausbildungsbedingungen und attrak­tivere Arbeitsbedingungen einzusetzen, werden die Befürchtungen der Auswirkungen einer gemeinsamen Pflegeausbildung von einigen Einrichtungs- und Schulträgern einseitig und sachlich falsch überbewertet“, so Westerfellhaus. © bee/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

30.11.16
Berlin – Die Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschlands (kkvd), Bernadette Rümmelin, hat kritisiert, dass das Pflegeberufsgesetz offenbar modifiziert werden soll. Der derzeit......
11.11.16
Würzburg – Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) lernen Medizinstudierende und Auszubildende der Gesundheitsberufe im Rahmen des Lehrprojekts „Durch Barrieren schneiden“ gemeinsam die......
04.11.16
Pflegeausbildung: Weiter Streit um Generalistik
Berlin – Die Bundesregierung will mit dem Pflegeberufegesetz die heute getrennten Ausbildungen zur Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenführen. Wie die Stuttgarter Nachrichten heute......
14.10.16
Regensburg – Unter der Marke „PflegeCampus Regensburg“ bilden das Universitätsklinikum Regensburg und das Caritas-Krankenhaus St. Josef künftig gemeinsam Gesundheits- und Krankenpfleger aus. Damit......
14.09.16
Altenpflege gerät ins Hintertreffen
Köln – Das neue sogenannte Pflegeberufsgesetz jetzt schnell umzusetzen hat das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) gefordert. Das Gesetz sieht vor, die bislang nebeneinander......
18.08.16
Saarbrücken – Im Saarland soll es in absehbarer Zeit eine Ausbildung zum Pflegeassistenten geben. Es soll sich dabei um zweijährige Ausbildung handeln, die über die bisherige einjährige Ausbildung zum......
29.07.16
Stuttgart – Ein Modellprojekt „Assistierte Ausbildung für Berufe der Pflegehilfe und Alltagsbetreuung“ hat das Baden-Württembergische Sozial- und Integrationsministerium vorgestellt. „Damit......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige