Ausland

Französischer Pharmariese Servier in Mediator-Skandal verurteilt

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Nanterre – In einem der größten Arzneimittelskandale in der französischen Geschichte ist dem Pharmariesen Servier erstmals eine zivilrechtliche Verantwortung zugeschrieben worden. Ein Gericht in Nanterre bei Paris urteilte am Donnerstag, Servier habe mit dem als Appetitzügler weit verbreiteten Medikament Mediator ein „fehlerhaftes“ Arzneimittel vertrieben und die „Risiken“ gekannt. Der Konzern hätte auf Grundlage der wissen­schaftlichen Erkenntnisse Patienten und Ärzte über die Risiken informieren müssen. Schätzungen zufolge starben in Frankreich bis zu 2100 Menschen an den Folgen der Einnahme von Mediator.

Anzeige

In einem Zeitraum von drei Jahrzehnten sollen rund fünf Millionen Menschen das Medikament eingenommen haben, das zu einer Verdickung der Herzklappen führen kann. Mediator kam ursprünglich zur Senkung der Blutfettwerte auf den Markt und wurde später übergewichtigen Diabetes-Patienten verschrieben. Es war aber auch als Appetitzügler bei Nicht-Diabetikern beliebt. Mediator wurde in Frankreich erst 2009 vom Markt genommen - dabei gab es schon lange vorher Anzeichen für die Gefährlichkeit des Medikaments.

In Nanterre klagten zwei Betroffene im Alter von 72 und 67 Jahren. Einer von ihnen bekam anstelle der geforderten 900.000 Euro Schadenersatz nur 30.000 Euro zugesprochen, sein Anwalt kündigte deswegen Berufung an. Auch das Pharma­unternehmen Servier dürfte Berufung gegen das Urteil einlegen.

In dem Fall laufen seit Jahren auch strafrechtliche Ermittlungen. Ein Strafprozess in Nanterre wurde aber wiederholt ausgesetzt. Im April 2014 starb zudem im Alter von 92 Jahren Servier-Gründer Jacques Servier, einer der Angeklagten. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.193 News Ausland

Nachrichten zum Thema

24.08.16
Hamburg – Wegen Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug mit Medikamenten hat die Polizei in Hamburg und Bayern 13 Objekte durchsucht, darunter Apotheken, Firmensitze und Wohnungen. Die Ermittlungen......
18.08.16
Hamburg – Im Prozess um einen Millionenbetrug mit Röntgenkontrastmitteln hat das Hamburger Landgericht Haftstrafen verhängt. Ein ehemaliger Geschäftsführer der inzwischen insolventen......
18.08.16
Koblenz/Edenkoben – Eine Privatklinik in Edenkoben (Kreis Südliche Weinstraße) darf vorläufig auch weiterhin eine Therapie mit gefrorenen Zellen aus Schafsföten anbieten, allerdings unter zusätzlichen......
16.08.16
London – Um staatliche Beihilfen in beträchtlicher Höhe zu kassieren, hat eine Mutter in Großbritannien ihre Kinder fälschlicherweise als schwer krank ausgegeben und ihnen unnötig jahrelang......
15.08.16
Hannover – Der Prozess gegen einen Psychiater, der bewusst wahrheitswidrige Gutachten ausgestellt haben soll, ist gegen eine Geldauflage eingestellt worden. Darauf verständigten sich die......
15.08.16
Bundesgerichtshof: Chefarzt-OP heißt Chefarzt-OP
Karlsruhe – Wer im Krankenhaus Chefarztbehandlung vereinbart, darf nicht einfach von einem anderen Arzt operiert werden. Ob der Eingriff korrekt durchgeführt wird, spielt dabei keine Rolle. Das stellt......
08.08.16
Als Arzt gearbeitet: Hochstapler muss drei Jahre ins Gefängnis
Berlin – Denny H., der sich als Arzt ausgegeben und zuletzt auf einem Kreuzfahrtschiff rund 1.300 Passagiere behandelt hatte, muss für drei Jahre ins Gefängnis. Das Berliner Landgericht sprach den......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige