Ärzteschaft

Diabetesgesellschaft begrüßt die Einführung der Gesund­heitskarte für Flüchtlinge

Montag, 26. Oktober 2015

Berlin – In Deutschland leben im Augenblick rund 600.000 Diabetiker mit einem Migra­tions­hintergrund. Das schätzt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Wegen der ankommenden Flüchtlinge steige die Zahl der Zuckerkranken weiter. „Wir begrüßen die geplante Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge“, sagte der Präsident der Fachgesellschaft, Baptist Gallwitz. Anfang November soll das Asylverfahrensbe­schleunigungsgesetz in Kraft treten, das unter anderem die Einführung der Gesund­heitskarte für Flüchtlinge vorsieht.

Allerdings sei vielen Ärzten unklar, inwiefern sie chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus behandeln dürften, wenn Flüchtlinge nicht „akut erkrankt sind und Schmerz­zustände haben“, so Gallwitz. So lautet die bundeseinheitliche Regelung im Paragrafen vier und sechs des Asylbewerberleistungsgesetzes. „Wir sollten einen Diabetes aber nicht erst dann behandeln dürfen, wenn ein Flüchtling als Notfall, zum Beispiel aufgrund einer schweren Unterzuckerung, zu uns kommt“, fordert der DDG-Präsident.

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Diese Regelung hatte auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen, Klaus Heckemann, kritisiert. „Ich sage ganz klar: Das Festhalten an den Buchstaben des Gesetzes ist für jeden Arzt unethisch“, sagte Heckemann im September gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Zwar halte er es für gerechtfertigt, dass der Leistungsanspruch der Asylbewerber verglichen mit den GKV-Versicherten deutlich eingeschränkt sei, aber „dieses Gesetz, dieser Paragraf, muss dringend geändert werden“, so der KV-Chef.

Die Arbeitsgruppe Diabetes und Migranten der DDG weist auf ihre neue Website hin. Sie bietet ärztlichem und nicht-ärztlichem Personal Unterstützung in der Arbeit mit Menschen mit Diabetes und Migrationshintergrund.

© hil/aerzteblatt.de

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