Ärzteschaft

Brief an Gröhe: KBV und KVen plädieren gegen Portalpraxen

Dienstag, 27. Oktober 2015

Berlin – Die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben sich in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für mehr Steuerungselemente in der ambulanten Notfallversorgung geworben. In einem gemeinsamen Schreiben sprachen sie sich gegen die geplanten Gesetzesänderungen zu Portalpraxen im Krankenhaus­strukturgesetz (KHSG) aus.

„Ohne eine geeignete Patientensteuerung wird das gesetzliche Vorhaben zu massiven Fehlverteilungen in der Patientenversorgung und Leistungsvergütung führen“, heißt es in dem Brief. In der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum KHSG hatten die Gesundheitsminister Anfang Oktober beschlossen, dass „KVen zukünftig entweder Portalpraxen in beziehungs­weise an Krankenhäusern als erste Anlaufstelle einrichten oder die Ambu­lanzen von Krankenhäusern über entsprechende Vertragsvereinbarung unmittelbar in der vertragsärztlichen Notfalldienst einbinden“ sollen.

Anzeige

KBV und KVen gemeinsam für "klare Spielregeln"
Dies hatte bereits zu massiver Kritik einzelner KVen geführt. Gemeinsam werben die KBV- und KV-Chefs nun für „klare Spielregeln“ zwischen ambulanter und stationärer Notfallversorgung und warnen vor einem Anstieg der Krankenhausfälle. Denn: „Eine weitere Zunahme erzeugt unnötige Kosten durch vermeidbare Krankenhausfälle und darf nicht zugelassen werden.“

Zu den Spielregeln müsse aus Sicht der KBV und der KVen gehören, dass bereits bestehende funktionierende Strukturen fortgeführt werden können. Neue Portalpraxen sollen nur dann eingerichtet werden, wenn diese wirklich benötigt werden würden. Ebenso fordern die KV-Chefs, dass die Versorgung in solchen Praxen sowie die sich anschließende Weiterbehandlung bei einem niedergelassenen Arzt oder in der Klinik „unter Berücksichtigung der regionalen Versorgungsstrukturen nach festzulegenden Prinzipien mit dem Ziel der Vermeidung unnötiger stationärer Behandlungen“ erfolgen soll. Diese neuen Strukturen müssten in den regionalen Honorarverträgen „ange­messen“ berücksichtigt werden.

Hintergrund der Diskussion ist die seit Jahren steigende Zahl der Notfälle in Kliniken. Nach Daten des Zentralinstitutes für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) übernehmen zwar die Vertragsärzte rund 71 Prozent der ambulanten Notfälle außerhalb der Sprechstundenzeiten. Dennoch sei die Anzahl von ambulanten Notfällen in Kliniken in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In der Diskussion um das Krankenhausstrukturgesetz hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vorgerechnet, dass ihre Kliniken rund 10 Millionen ambulante Fälle betreuen. Dafür bekämen sie allerdings nur 32 Euro pro Fall erstattet, benötigten aber für die Versorgung rund 120 Euro. Dadurch entstehe ein jährliches Defizit von rund einer Milliarde Euro, so die DKG. Laut den aktuellen Änderungen zum KHSG sollen Kliniken nun einen finanziellen Ausgleich dafür bekommen. © bee/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

08.12.16
Notfalldienst: Drei neue Zuschläge vereinbart
Berlin – Einen Tag nach dem Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses zur künftigen Honorarstruktur des ambulanten Notfalldienstes gehen die Meinungen über die Ergebnisse der Verhandlungen......
02.12.16
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht die Finanzierungsdefizite in der ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus deutlich geringer, als es Studien der Deutschen......
30.11.16
Berlin – Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (kkvd) hat eine sektorenübergreifende, extrabudgetäre Vergütung von ambulanten Notfallleistungen gefordert. Auf diese Weise könne die......
23.11.16
Hochschulambulanzen müssen Fachärzte vorhalten
Berlin – Hochschulambulanzen müssen künftig Fachärzte mit abgeschlossener Weiterbildung vorhalten, die Diagnose- und Therapieentscheidungen treffen. Niedergelassene Haus- oder Fachärzte, die ihre......
22.11.16
Notaufnahmen und Rettungsdienste sind stark überlastet
Berlin – Die stationäre Notfallversorgung und der Rettungsdienst in Deutschland sind stark überlastet. Das berichteten Praktiker heute auf dem Wissenschaftlichen Symposium „Neuordnung der......
18.11.16
Wiesbaden – Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) warnt davor, kleinere und mittlere Krankenhäuser im Rahmen der Reform der Notfallversorgung „durch die Hintertür vom Netz“ zu nehmen. Die......
04.11.16
BÄK fordert Portalpraxen in Notaufnahmen
Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) hat eine bessere Steuerung von Patienten in den Notfallambulanzen der Kliniken gefordert. BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery sagte, um Notfallambulanzen zu......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige