Ärzteschaft

3,7 Millionen Krankenhausfälle wären vermeidbar

Dienstag, 27. Oktober 2015

Berlin - Bei einer optimal koordinierten ambulanten Versorgung wären rund 3,7 Millionen Krankenhausfälle pro Jahr in Deutschland vermeidbar. Damit könnten Krankenkassen järhlich rund 7,2 Milliarden Euro einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt Leonie Sund­macher von der Ludwig-Maximilians-Universität in München in einer vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZIgeförderten Studie

Mit ihrer Analyse wurde erstmals für Deutschland eine Liste von Diagnosen erstellt, für die bei guter ambulanter Versorgung ein Krankenhausaufenthalt potenziell vermeidbar wäre. Diese Fälle bezeichnet die internationale Gesundheitsforschung als „ambulant-sensitive Krankenhausfälle“, kurz ASK. Hierzu zählen die Gesundheitswissenschaftler beispielsweise Herzinsuffizienz, COPD, Hypertonie sowie Diabetes. Solch ein Katalog existierte bisher in Deutschland nicht. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) hatte bereits 2012 in einem Sondergutachten diesen Katalog für Deutschland gefordert.

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Katalog der ambulant-sensitiven Fälle umfasst 22 Diagnosen
Für die Studie wurden 40 Ärzte aus mehr als 15 Fachrichtungen aus dem ambulanten und stationären Bereich sowie aus städtischen und ländlichen Regionen ausgewählt. Nach Aussage von Sundmacher waren keine Funktionsträger aus der Selbstverwaltung in der Studiengruppe. Der von ihr in Berlin vorgestellte Katalog umfasst 22 Diagnosen, die rund 90 Prozent der ambulant-sensitiven Fälle abdeckten, so Sundmacher.

Neben der Befragung zu Diagnosen und den Einschätzungen, ob der entsprechende Patient auch ambulant versorgt werden könnte, konnten die befragten Ärzte angeben, wie ihrer Meinung nach diese ASK-Fälle vermieden werden könnten. Am häufigsten nannten die Studienteilnehmer, dass die kontinuierliche Behandlung verbessert werden müsse. Dazu zähle die Koordination zwischen den behandelnden Ärzten, der Ausbau der Telematik sowie der integrierten Versorgung, erklärte Sundmacher. Als zweiter Punkt müsse aus Sicht der teilnehmenden Ärzte die Erreichbarkeit der Versorgung verbessert werden. Dazu gehören auch kürzere Wartezeiten sowie die Stärkung von nicht-ärzt­lichen Gesundheitsberufen.

Gassen: Qualität erhöhen und erhebliche Kosten einsparen
Für ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried ist der Katalog wegweisend für die Diskussion in Deutschland: „Der Deutsche ASK-Katalog ist der jüngste und daher international der umfangreichste. Er zeigt Wege auf, wie die Krankenkassen trotz Alterung der Bevölkerung langfristig entlastet werden können.“ Für den ZI- und KBV-Vorstandsvorsitzenden Andreas Gassen zeigt der Katalog zu dem auf, dass „eine effektive Behandlung im ambulanten Sektor die Anzahl der Krankenhausfälle reduzieren würde. Das würde nicht nur die Qualität unserer Versorgung erhöhen, sondern auch erhebliche Kosten einsparen.“

DKG: Gutachten zeigt, dass Krankenhäuser stärker genutzt werden müssen
Anders interpretiert Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Kranken­hausgesellschaft (DKG) die vorgestellten Studienergebnisse: „Das Gutachten zeigt ja richtig auf, dass die Bedingungen für die zeitgerechte und effektive ambulante Erbringung im KV-System nicht gegeben sind“, so Baum in einer Mitteilung. Daraus könne aus seiner Sicht „doch nur der Schluss gezogen werden, dass die ambulanten Behandlungsmöglichkeiten der Krankenhäuser deutlich stärker genutzt werden müssen“, so Baum. © bee/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Dienstag, 27. Oktober 2015, 23:54

Denkfehler

Diese Einsparung steht nur auf dem Papier, denn bevor die hier genannten Vorschläge umgesetzt werden können, müßte massiv in den ambulanten Sektor investiert werden. Hier stehen sich die Kassen und der Gesetzgeber mit dem SGBV selbst im Weg, im Augenblick stehen die Zeichen eher auf Einsparungen und Kürzungen.

Aber auch die DKG leidet unter einem Denkfehler, denn Behandlungen sind stationär nun einmal teurer als ambulant, das sieht man exemplarisch an der Diskussion zum Thema Notfallpraxen. Und eine deutlich stärkere Nutzung der Behandlungsmöglichkeiten im Krankenhaus würde die nächste Kostenexplosion nach sich ziehen.

Und drittens sind die Krankenhäuser ein Teil der Daseinsvorsorge. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man die "vermeidbaren" Krankenhausfälle als strategische Reserve betrachten, die im Katastrophenfall genutzt werden kann, indem diese Patienten ambulant weiterbetreut werden. Was würde passieren, wenn diese Kapazitäten abgebaut wären und eine größere Naturkatastrophe oder Seuche über Deutschland hereinbrechen würden?
gennadij
am Dienstag, 27. Oktober 2015, 21:58

Herr

Ich habe in einem Artikel des Ärzteblattes Ergebnisse einer anderen Studie gelesen, dass sehr hohe Prozent der Menschen (Zahl habe ich nicht im Kopf) mit ihren Ärzten zufrieden sind.

MfG
G. Eistrach
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