Medizin

Neue Erkenntnisse zur genetischen Grundlage der chronisch lymphatischen Leukämie

Dienstag, 27. Oktober 2015

Ulm/Köln/Boston – Welche Mutationen im Krankheitsverlauf einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) auftreten, wie sie sich verändern und welche Auswirkungen sie auf den Verlauf der Erkrankung haben können, berichten deutsche und US-amerikanische Wissenschaftler in der Zeitschrift Nature (doi:10.1038/nature15395).

Sie haben dafür die DNA von 538 Patienten mit einem Verfahren namens „Whole Exome Sequencing“ (WES) analysiert – dabei werden alle kodierenden Bereiche der rund 20.000 bekannten Gene angereichert und sequenziert.

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Die CLL ist die häufigste Form der Leukämie bei Erwachsenen in Mitteleuropa. Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen haben die neuen technischen Möglichkeiten im Bereich der Genanalytik auch bei der CLL in den letzten Jahren zu wichtigen Erkenntnisfortschritten geführt.

„Die Studie entschlüsselt in bisher nicht da gewesener Tiefe die genetische Grundlage der Leukämie und trägt so zur Identifikation von neuen Krankheitsmechanismen und Behandlungsansätzen bei“ erläutert Eugen Tausch vom Universitätsklinikum Ulm, der die Untersuchungen zusammen mit Dan Landau und Amaro Taylor-Weiner aus Boston maßgeblich durchführte.

So hat die genetische Analyse ergeben, dass nicht nur verschiedene Gruppen von Mutationen den Verlauf der CLL beeinflussen, sondern auch unterschiedliche Mutationsszenarien im Verlauf der Erkrankung und unter Therapie auftreten können.

Außerdem prüften die Forscher, inwiefern relevante Mutationen in signifikanten Mustern auftreten. Sie fanden insgesamt elf Korrelationen – acht Paare von Mutationen, die zusammen besonders häufig vorkommen und drei, die sich auffällig selten ausbilden. Auch die Betrachtung der Mutationssituation im zeitlichen Verlauf der Krankheit war aufschlussreich: So fanden die Wissenschaftler einige Mutationen, die zu Beginn der Krankheit selten und später häufiger auftreten, manche Veränderungen blieben über die Zeit stabil und einige Mutationen konnten in einem späteren Stadium der Krankheit gar nicht mehr nachgewiesen werden.

„Durch das große Studienkollektiv lassen sich neue Erkenntnisse zur klonalen Evolution der CLL sowie Hierarchien von Mutationen ableiten, die für den klinischen Krankheits­verlauf sowie die Wirksamkeit von Therapien bedeutsam sind“, sagte Stephan Stilgen­bauer vom Universitätsklinikum Ulm, der die Untersuchung zusammen mit Cathy Wu aus Boston leitete.

Die hohe Zahl der Analysen und die Beobachtung über längere Zeiträume verdanken die Wissenschaftler auch der Deutschen CLL-Studiengruppe, die über die Hälfte der Kohorte mit Material aus ihrer CLL8-Studie gestellt hat. „Es freut uns, dass wir mit dieser Studie entscheidende Erkenntnisse zum Verständnis der Erkrankung gewinnen konnten“, betonte Michael Hallek, Direktor des Centrums für integrierte Onkologie und der Klinik I an der Uniklinik Köln© hil/aerzteblatt.de

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