Medizin

Morbus Alzheimer: Donepezil zögert Pflegebedürftigkeit hinaus

Dienstag, 27. Oktober 2015

London - Wird der Cholinesterase-Inhibitor Donepezil beim Übergang zum fortge­schrittenen Stadium der Alzheimer-Demenz abgesetzt, verdoppelt sich das Risiko einer vorzeitigen stationären Pflegebehandlung. Dies kam in einer randomisierten klinischen Studie in Lancet Neurology (2015; doi: 10.1016/S1474-4422(15)00258-6) heraus. Für Memantin konnte ein ähnlicher Effekt nicht gezeigt werden.

Donepezil und Memantin sind zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Alz­heimer-Demenz zugelassen. Die Wirkstoffe können die Symptome lindern, das Fortschreiten der Erkrankung jedoch nicht aufhalten. Bei einer fortgeschrittenen Demenz ist eine Wirkung der beiden Mittel nicht erwiesen. Bei allen Patienten stellt sich deshalb früher oder später die Frage, ob die Behandlung bei einem Fortschreiten der Demenz fortgesetzt oder eingestellt werden sollte.

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Die „Donepezil and Memantine in Moderate to Severe Alzheimer's Disease“ oder DOMINO-Studie ist dieser Fragen an 298 Patienten nachgegangen, die noch von Familienmitgliedern betreut wurden. Die Studie hatte vier Arme: In den ersten beiden Gruppen wurde die Therapie mit Donepezil abgesetzt und eine Therapie mit Memantin oder Placebo begonnen. In den anderen beiden Gruppen wurde die Therapie mit Donepezil fortgesetzt und mit Memantin oder Placebo kombiniert. 

In einer früheren Auswertung der Studie hatte das Team um Robert Howard vom University College London bereits zeigen können, dass eine fortgesetzte Therapie mit Donepezil den Abfall der kognitiven Leistungen auch im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung verlangsamt (NEJM 2012; 366: 893-903). Memantin konnte das Fortschreiten der Demenz ebenfalls bremsen, der Vorteil war jedoch statistisch nicht signifikant. 

Jetzt legt das Team weitere Argumente für ein Fortsetzen der Therapie mit Donepezil vor. Endpunkt der aktuellen Auswertung war die Einweisung der Patienten in ein Pflegeheim. Dies geschah in den beiden Studienarmen, in denen Donepezil abgesetzt wurde, im ersten Jahr doppelt so häufig wie unter einer fortgesetzten Therapie. Howard ermittelt eine Hazard Ratio von 2,09, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,29 bis 3,39 signifikant war. In den folgenden drei Jahren war dann kein Unterschied mehr erkennbar (Hazard Ratio 0,89; 0,58-1,35). Für den Beginn einer Therapie mit Memantin war dagegen für beide Zeiträumen keine signifikante Wirkung erkennbar.

Howard spricht sich vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse für eine Fortsetzung der Donepezil-Therapie aus und begründet dies mit finanziellen Argumenten. Die durchschnittlichen Kosten der stationären Pflege würden in Großbritannien zwischen 30.732 und  34.424 Pfund pro Jahr betragen. Die Behandlung mit Donepezil koste dagegen nur 21,59 Pfund pro Jahr. © rme/aerzteblatt.de

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