Medizin

Ultraschall unterstützt Medikamentenaufnahme im Darm

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Santa Barbara – Ultraschallwellen könnten dabei helfen, Medikamente schneller in die Darmwand einzuschleusen, um so ihre Wirkung bei entzündlichen Darmerkrankungen zu verbessern. Carl Schoellhammer und Kollegen an der University of California berichten in Science Translational Medicine über die Technik und den Nutzen einer durch Schallwellen unterstützen Medikamentenapplikation (doi: 10.1126/scitranslmed.aaa5937).

Bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa ist die Resorptionsfähigkeit des Darmepithels stark herabgesetzt. Dies gilt nicht nur für Nährstoffe, sondern auch für Medikamente. Die lokale Applikation von Wirkstoffen kann daher erfolglos bleiben. Mit der getesteten Technik wollten die Forscher eine beschleunigte Resorption von Medikamenten in der Darmwand erreichen. So könnten wirksame Spiegel in den Zellen aufgebaut werden. Ein mögliches Zielmedikament wäre das antientzündliche Mesalazin, welches bei der Colitis Ulcerosa auch topisch angewendet wird.

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Die Wissenschaftler testeten ihre Methode zuerst an Schweinen. Sie applizierten Insulin und Mesalazin über eine speziell entwickelte Sonde, die auch Ultraschallwellen mit einer Frequenz von 100 kHz aussendet. Die Wellen erzeugen in der applizierten Flüssigkeit eine Vielzahl kleiner Luftbläschen. Diese Luftbläschen sind instabil und implodieren nach kurzer Zeit. Durch diese Implosion entstehen Mikroverwirbelungen, welche die Moleküle in der Flüssigkeit beschleunigen.

Die Forscher erreichten durch den Ultraschall eine verbesserte Aufnahme der Medika­mente. Im Darmgewebe der Schweine entstanden durch die Technik keine Schäden. Das Team testete daraufhin die Methode an Mäusen mit einer Colitis Ulcerosa. Eine Gruppe erhielt über zwei Wochen jeden Tag eine ultraschallgestützte Applikation von Mesalazin. Im Mausmodell konnten die Forscher so eine Abnahme der Entzündung erreichen. Demgegenüber profitierten Mäuse ohne Ultraschallunterstützung nicht von der Mesalazingabe.

Die Forscher möchten ihre Methode weiter an Tieren untersuchen, um die Technik klinisch anwendbar zu machen. Da auch Makromoleküle durch den Ultraschall die Darmwand passieren können, erhoffen sich die Forscher, dass die Methode auch für die Therapie anderer Erkrankungen wie Krebs und Infektionen von Nutzen ist. © hil/aerzteblatt.de

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