Medizin

Studie teilt Typ 2-Diabetes in drei Subgruppen ein

Sonntag, 1. November 2015

New York/Göteborg – Der Typ 2-Diabetes kann bei gleichem Blutzucker einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Eine „topologische“ Studie in Science Translational Medicine (2015; 7: 311ra174) teilt die Erkrankung nach den Spätkomplikationen in drei Subtypen ein, die auch einen unterschiedlichem genetischen Hintergrund haben. Eine Untersuchung im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1720-1732) zeigt, dass die Spätkomplikationen die Sterblichkeit mitbestimmen.

Der Typ 2-Diabetes, am dem nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation 8 Prozent der Bevölkerung im Verlauf des Lebens erkranken, kann zu unterschiedlichen Spätkomplikationen führen, die von Patient zu Patient unterschiedlich sind. Ein Team um Joel Dudley von der Icahn School of Medicine in New York unterscheidet nach einer „Netzwerk-Analyse“ von mehr als 11.000 elektronischen Krankenakten drei Subtypen.

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Beim Subtyp 1 mit einem Anteil von etwa 30 Prozent aller Patienten stehen mikrovas­kuläre Komplikationen im Vordergrund, nämlich Nephropathie und Retinopathie. Diese Patienten haben den höchsten Body-Mass-Index und die schlechtesten HbA1c-Werte und kurioserweise auch eine gestörte Blutgerinnung. Es besteht häufig eine Assoziation mit Varianten im ACE-Gen, das die Information für das Angiotensin I Converting Enzym enthält.

Der Subtyp 2 umfasste 24 Prozent der Patienten. Sie fielen durch eine erhöhte Rate von Krebserkrankungen auf, wobei 60 Prozent der Patienten vor dem Diabetes und 40 Prozent danach erkrankten. Die Patienten mit dem Subtyp 2 haben den niedrigsten Body-Mass-Index, aber dennoch ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der Subtyp 3 war mit einem Anteil von 43 Prozent zahlenmäßig die größte Gruppe. Die Patienten leiden neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig auch unter mentalen Störungen. In dieser Gruppe gab es auch eine Anzahl von HIV-Patienten. Der Typ 2-Diabetes ist hier möglicherweise Folge der antiretroviralen Therapie. Es besteht eine genetische Assoziation zum FHIT-Gen, das das „fragile histidine triad protein“ kodiert. Dieses Gen wurde in anderen Studie mit Allergien und neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die Patienten des Subtyps 3 haben, obwohl auch bei ihnen der Body Mass Index niedriger ist als im Subtyp 1, ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die drei Subtypen unterscheiden sich auch hinsichtlich der Therapie. Während im Subtyp 1 die Senkung des Blutzuckers im Vordergrund steht, ist bei den Patienten der anderen Gruppen die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Beim Subtyp 2 muss das Krebsrisiko beachtet werden, Patienten mit Subtyp 3 müssen auch häufiger wegen Angststörung oder Depressionen behandelt werden.

Eine Analyse der Schwedischen Diabetes-Registers, die Marcus Lind von der Universität Göteborg vorstellt, unterteilt die Patienten mit Typ 2-Diabetes zwar nicht in Unter­gruppen. Die Ergebnisse zeigen aber, dass neben der Kontrolle des Blutzuckers auch die Nierenfunktion einen wesentlichen Einfluss auf das Sterberisiko hat. Die Über­sterblichkeit der Typ 2-Diabetiker war mit 27 Prozent relativ gering, was Lind nicht nur auf die Behandlung des Blutzuckers, sondern auch auf die Versorgung mit Statinen und Blutdruckmedikamenten zurückführt. Interessanterweise war die Sterblichkeit nur bei jüngeren Typ 2-Diabetikern gegenüber Gleichaltrigen erhöht. In der Altersgruppe der über 75-Jährigen war dies nicht mehr nachweisbar. © rme/aerzteblatt.de

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