Politik

Jedes Jahr sterben 121.000 Bundesbürger an den Folgen des Rauchens

Dienstag, 3. November 2015

Berlin – In Deutschland sterben jedes Jahr rund 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Dabei wird im Norden mehr geraucht als im Süden, was in den nördlichen Bundesländern auch zu mehr Todesfällen führt, wie aus dem am Dienstag in Berlin vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) vorgestellten Tabakatlas hervorgeht. Neben dieses regionalen Unterschieden belegen die Daten auch deutliche Geschlechterunterschiede: In allen Bundesländern sterben mehr als doppelt so viele Männer als Frauen infolge des Rauchens.

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Mit dem Tabakatlas 2015 haben die Experten zum zweiten Mal seit 2009 neue Fakten zum Rauchen in Deutschland zusammengefasst. Danach raucht jeder vierte Erwachsene - etwa jeder dritte Mann (30 Prozent) und jede fünfte Frau (20 Prozent). Die meisten Rauchertodesfälle bei Männern und Frauen gibt es in Bremen und Berlin: Hier sterben 23 Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen an den Folgen des Rauchens. In Baden-Württemberg und Bayern sterben die wenigsten Männer (17 und 18 Prozent) und in Sachsen und Thüringen die wenigsten Frauen (vier und fünf Prozent) an den Folgen des Rauchens.

Während das Rauchverhalten der 25- bis 69-Jährigen seit 2009 weitgehend stabil blieb, sanken die Raucherquoten unter jungen Erwachsenen und Minderjährigen stetig. Von den Elf- bis 17-jährigen rauchen insgesamt nur noch zwölf Prozent. Unter den 15- bis 24-Jährigen griff 2013 etwa jeder Vierte zur Zigarette - knapp 26 Prozent der jungen Männer und 19 Prozent der jungen Frauen.

Die höchsten Raucheranteile unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden sich den Daten zufolge in Ostdeutschland: In allen östlichen Bundesländern rauchen mindestens 30 Prozent der Jungen und jungen Männer.  Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt mit über 36 Prozent. Auch bei den Mädchen und jungen Frauen ist der Raucheranteil in Sachsen-Anhalt mit über 30 Prozent am höchsten.

Neue Produkte wie E-Zigaretten und E-Shishas wurden besonders von Jugendlichen angenommen, wie aus dem Tabakatlas hervorgeht. So hat rund ein Drittel der Zwölf- bis 17-Jährigen bereits Wasserpfeife geraucht, und ein Viertel hat E-Zigaretten ausprobiert.

Das Rauchen kann Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen verursachen. Bei den Männern machen Krebserkrankungen 52 Prozent und bei den Frauen 41 Prozent der tabakbedingten Todesfälle aus. In den vergangenen Jahren wurde die Liste der durch das Rauchen mitverursachten Krankheiten unter anderem um Diabetes, Erektionsstörungen, Tuberkulose und weitere Krebsarten wie Leber- und Darmkrebs erweitert.

Mortler erklärte, die Zahlen zeigten einen „erfreulich positiven Trend zum Nichtrauchen“. Vor allem bei Erwachsenen bleibe aber noch einiges zu tun.  Mortler sprach sich in diesem Zusammenhang erneut für ein Verbot der Tabak-Außenwerbung aus. © afp/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Mittwoch, 4. November 2015, 23:36

Blick über den Tellerrand

Alkohol und Nikotin sind Drogen, kein Zweifel. Alkohol und Nikotin sind aber auch nationales Kulturgut. Ich möchte nur an die Diskussionen erinnern, die beim Bier um das Deutsche Reinheitsgebot geführt wurden. All dies macht die Sache schwierig.

Der aus meiner Sicht einzig vertretbare Kompromiss wäre die bisher ubiquitäre Verfügbarkeit einzuschränken. Zum Beispiel Verkauf nur in spezialisierten Fachgeschäften ("Liquor stores" in angelsächsischen Ländern). Dazu an der Kasse eine obligatorische Ausweiskontrolle zur Alterskontrolle. Und eine Begrenzung der Abgabemenge. Und Öffnungszeiten bis maximal 20 Uhr.

Zusammen mit einer Begrenzung der Werbung (siehe Beitrag von Practicus) könnte dies langfristig die Situation verbessern. All dies wäre ein schwerer Eingriff in den "freien Markt", von den Betreibern von Tankstellen, Supermärkten und Zigarettenautomaten wäre sicher ein lauter Aufschrei zu erwarten. Aber die angekündigtenHorrorszenarien nach der Einführung des Rauchverbots in Gaststätten haben sich schließlich auch nicht bestätigt. Wahrscheinlich wären auch die Apotheken betroffen. Kräutermischungen auf Alkoholbasis (z.B. Klosterfrau Melissengeist) sind für einen Teil des Alkoholismus bei Senioren verantwortlich, da man sich damit den Abusus schönreden kann (habe ich bereits im weiteren Verwandtenkreis miterlebt).

Eine Prohibition würde in unserem Kulturkreis ähnlich gut bzw. schlecht funktionieren wie in den USA, in erster Linie als staatliches Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität. Auch müßte eine Prohibition zeitgleich im gesamten Schengen-Raum eingeführt werden, ansonsten wäre halb Deutschland am Wochenende zum Shoppen in seinen Nachbarländern, die andere Hälfte würde sich den "Stoff" gleich frei Haus liefern lassen.

Eine kleine Anekdote am Rande: den größten und bestsortierten Liquor store habe ich in meinem Leben nicht in einem westlichen Land gesehen sondern in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Practicus
am Mittwoch, 4. November 2015, 01:37

Laut Drogenbericht

der Frau Mortler sterben jährlich 74.000 Menschen - also über 200 jeden Tag - an den Folgen des "ganz normalen" Alkoholkonsums! Tottrinken tun sich davon "nur" 16.000...
Dazu kommen die Folgen des "Passivtrinkens": In etwa 40% der Fälle schwerer und gefährlicher Körperverletzung, Tötungsdelikten und sexueller Nötigung wird ein alkoholisierter Täter ermittelt. Hinzu kommt die Dunkelziffer an nicht ermittelten Gewalttätern sowie etwa zwei Drittel der Fälle häuslicher Gewalt, die in Zusammenhang mit Alkohol erfolgen.
Die lebenslangen psychischen Folgen für die Kinder aus Familien mit trinkenden Eltern(teilen) und die Traumafolgestörungen der Opfer werden bei den Folgeschäden nicht eingerechnet, auch nicht der alkoholisierte Vandalismus - da zählen nur die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen wie Heilbehandlung, Arbeitsunfähigkeit, Rehabilitation und Frühverrentung - seit 2007 wurden die nicht mehr ermittelt, damals waren das ca. 27 Mrd Euro.
Es wird Zeit, in Medien und Öffentlichkeit mit Alkohol so umzugehen wie mit Tabak. Alkohol umwabert das Fernsehprogramm von den Shoppingqueens, die sich mit Prosecco in Stimmung bringen, bis zu Inas Nacht... trinkende TatortermittlerInnen, Teamgeist aus Weingeist, von Bierwerbung umrahmte Sport(!)veranstaltungen, Wein und Bier in allen Talkshows...
In BW wurde zB der nächtliche Alkoholverkauf an Tankstellen verboten - mit promptem Rückgang der Delinquenz...
Ich will nicht der Prohibition das Wort reden, aber auch Alkohol verdient gesellschaftliche Verachtung und etwas mehr Regulierung.

Die Nichttrinker verdienen mindestens genausoviel Schutz vor den schwerwiegenden Folgen des Trinkens anderer wie die Nichtraucher vor den eher marginalen Gefahren des Passivrauchens
j.g.
am Dienstag, 3. November 2015, 23:26

Rauchen - Alkohol?

Wie viele unschuldige Mitmenschen sterben durch Alkohol? Wie viele Familien werden dadurch zerrissen? Wieviel alhoholgeschädigte Kinder kommen zur Welt? Wie viele Wirtschaftsunternehmen fahren gegen die Wand? Wie viele Spätschäden durch Alkohol muß unsere Gesellschaft unterhalten?
Warum wird dieses Leid so stiefmütterlich behandelt??
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