Medizin

DNA-Bluttests verfolgen Entwicklung der Metastasen „in Echtzeit“

Mittwoch, 4. November 2015

London – Die serielle Untersuchung von Blutproben auf zellfreie Tumor-DNA hat bei einer Brustkrebspatientin gezeigt, wie sich die Metastasen im Verlauf der Behandlung genetisch verändern. Die in Nature Communications (2015; 6: 8760) vorgestellten Tests könnten in Zukunft Therapieentscheidungen beeinflussen.

Bei der 42-jährigen Frau hatte der Brustkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits in Knochen, Pleura und Lungen gestreut. Sie erhielt nach der Operation, bei der zwei Biopsien aus Brust und Achsellymphknoten archiviert wurden, eine Chemotherapie und danach eine Anschlussbehandlung mit Trastuzumab und Tamoxifen. Neunzehn Monate später kam es zu Krampfanfällen, die durch eine große Metastase im Frontalhirn ausgelöst wurden.

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Die Metastase wurde entfernt und eine dritte Gewebeprobe archiviert. Die Behandlung mit Trastuzumab und Tamoxifen wurde zunächst fortgesetzt, bis nach weiteren vier Monaten ein Befall von Leber und Ovar entdeckt wurde. Die Onkologen wechselten auf eine Behandlung mit Lapatinib und Capecitabin, unter der das Fortschreiten des Tumors zunächst gestoppt werden konnte. Vier Monate vor dem Tod kam es zu einer erneuten Progression, woraufhin die Behandlung beendet wurde. Bei der Autopsie wurden Gewebeproben aus der primären Tumorregion sowie aus Brustwand, Leber, Ovar und einem Wirbel entnommen.

Die genetische Untersuchung der Gewebeproben zeigte, wie sich das Erbgut des Mammakarzinoms im Verlauf der Zeit verändert hatte. Das Team um Carlos Caldas vom Cambridge Institute der Stiftung Cancer Research UK konnte sogar einen Stammbaum des Tumors aufstellen. Der Primärtumor hatte einige Stammmutationen auf die Metastasen vererbt, dort war es jedoch zu weiteren Mutationen gekommen. Einige Metastasen wiesen auch „private“ Mutationen auf, die in den anderen Gewebeproben nicht vorhanden waren.

Während der dreijährigen Krankengeschichte waren insgesamt neun Blutproben entnommen worden. Die Forscher suchten und fanden in diesen Blutproben die Stammmutationen, die gemeinsamen Mutationen der Metastasen und auch die privaten Mutationen einzelner Tochtergeschwulste. Mehr noch: Die Forscher konnten im Blut zeigen, wie sich in den einzelnen Metastasen Lapatinib-Resistenzen herausbildeten, die am Ende zur finalen Tumorprogression führten. Es wurden sogar einige Mutationen entdeckt, die nach dem Beginn der Lapatinib-Behandlung verschwanden und deshalb eine Reaktion des Tumors auf die Behandlung anzeigen.  

Wie die neuen Erkenntnisse für die klinische Behandlung von Mammakarzinom und anderen Krebserkrankungen genutzt werden könnten, ist noch unklar. Da die Kosten für die Sequenzierung des Erbguts jedoch sinken, könnte die serielle Untersuchung schon auf absehbare Zeit zu einer Option für die Verlaufsbeobachtung von Krebserkrankungen werden. Die Hoffnung ist, dass genetische Veränderungen zeitnah erkannt und in einer Änderung der Therapie umgesetzt werden können. © rme/aerzteblatt.de

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