Ärzteschaft

Koloskopie für die Darmkrebs-Vorsorge unerlässlich

Montag, 9. November 2015

Berlin – Auf die Bedeutung der Darmspiegelung zur Krebsvorsorge hat die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hingewiesen. Die Fachgesellschaft erklärte, der Verzehr von rotem Fleisch und Wurstwaren sei nur eines von fünf bekannten Lebensstilrisiken für den Darmkrebs. Die DGVS bezog sich damit auf eine kürzlich von der Internationalen Agentur für Krebsforschung, einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, herausgegebenen Einschätzung, wonach der Verzehr von rotem Fleisch „wahrscheinlich karzinogen für den Menschen“ sei.

„Viele Tumore sind genetisch bedingt und deshalb auch bei einer gesunden Ernährung nicht sicher vermeidbar“, hieß es aus der Fachgesellschaft. Die beste Vorsorge sei deshalb die regelmäßige Darmspiegelung. Im Rahmen der Vorsorge-Koloskopie finden Ärzte bei 31 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen Polypen, verweist die DGVS auf eine im August 2015 im Fachmagazin Gastroenterology erschienene Studie (doi 10.1053/j.gastro.2015.04.012).

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Laut Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben 2013 und 2014 mehr Menschen in Deutschland eine Vorsorgekoloskopie in Anspruch genommen: Von 2006 (629.250) bis 2012 (389.925) ging die Teilnahme danach um 38 Prozent zurück. In den Jahren 2013 (410.332) und 2014 (444.513) zeigte sich dagegen ein Zuwachs von insgesamt 13.5 Prozent. „Daran wird einmal deutlich, dass Bürger und Ärzte Vertrauen in diese Untersuchungen haben“, sagte Dietrich Hüppe vom Berufsverband der Magen-Darm-Ärzte. Außerdem spiegelten die Zahlen wieder, dass Bürger, die seit 2002 an der Vorsorgekoloskopie teilgenommen haben, nach zehn Jahren die Möglich­keit nutzen, sich zum zweiten Mal einer solchen Untersuchung zu unterziehen.

Mehr als 62.000 Menschen erkranken in Deutschland an Darmkrebs, fast die Hälfte stirbt daran. Ein ungesunder Lebensstil gilt als wichtiger Auslöser. Neben den jetzt von der WHO als krebserregend eingestuftem roten Fleisch und Wurstwaren gehören auch übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel zu den anerkannten Risikofaktoren. „Aber selbst das Meiden aller fünf bekannten Risiken kann das Darmkrebsrisiko allenfalls um ein Viertel senken“, erklärte der DGVS-Mediensprecher Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Aachen. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 9. November 2015, 23:37

Die "HAXE DES BÖSEN" 3.0

‚Carcinogenicity of consumption of red and processed meat‘ war der plakative Titel einer vorläufigen Publikation, die 22 internationale Experten aus 10 Ländern gemeinsam mit der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon/F im Lancet veröffentlicht haben. Verarbeitetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch (‚processed meat‘), insbesondere gebraten, gegrillt und nitrosamin-/acrylamid-haltig wurde mit unbehandeltem Schlachtfleisch (rotem Fleisch) in einen Topf geworfen.

Peinlich für WHO-IARC-Experten! Sie müssen mit ihren voreiligen Schlussfolgerungen und Warnungen in Lancet Oncol 2015, online, 26. Oktober 2015
DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(15)00444-1 und in
WHO PRESS RELEASE N° 240 26 October 2015 - IARC Monographs evaluate consumption of red meat and processed meat
zurückrudern.

Verarbeitetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch erhöht beim Menschen geringfügig das allgegenwärtig altersabhängige Krebsrisiko. Das wissen wir schon lange. Die Gattung Mensch is(s)t allerdings mit ihrem Gebiss, ihrer Beißmuskulatur, ihren Darm-, Verdauungs- und Ausscheidungs-Tätigkeiten „Allesfresser“ (Omnivore): Vergleichbar mit hochentwickelten Primaten ist der Homo sapiens auf eine obst- und vegetabil betonte Mischkost mit Fleisch, Fisch, Geflügel, Getreide und Milch-(Produkten) angewiesen.

Sein Energiebedarf über Protein, Kohlenhydrat, Fett, Mineralstoffe und Spurenelemente ist wegen der Gehirnentwicklung viel höher als bei anderen Primaten. Der global immer weniger Energie-verbrauchende Lebensstil, mangelnde Anstrengungs- und Aufwands-Kultur bzw. Bewegungsarmut post-industrieller Gesellschaften bei exzessivem Nahrungsmittelüberfluss führt gegenüber Armutsländern zu metabolischer Entgleisung, Diabetes mellitus und wachsendem kardio-pulmonalem bzw. nephro-vaskulären Risiko mit sekundärer Tumorinduktion: Dennoch steigt die Lebenserwartung und deren Abstand selbst gegenüber Armuts- und Schwellenländern immer weiter an.

Das ist der wesentliche Grund für die völlig naiv-empiristisch-heuristische, vorlaute Ableitung eines erhöhten Sterberisikos bei Konsum von rotem Fleisch, wenn man nicht zwischen „processed meat“ und „non-processed meat“ differenzieren will. Wir sterben nicht weil, sondern während wir zu viel rotes Fleisch essen und weil uns der allgemeine Überfluss zu dick macht! Das sogenannte „rote Fleisch“ sieht in Wahrheit blass-grau-braun-rosé aus, wird aber vom Metzger auf Wunsch der Verbraucher extra rot eingefärbt. Es macht statistisch bei normalen Mengen keine Erhöhung des Krebsrisikos.

Die 22 WHO/IARC-Experten beschreiben selbst, dass sie unverarbeitetes rotes Fleisch klammheimlich nur als „wahrscheinlich krebserregend“ klassifizieren können. Denn eine Evidenz, dass der Verzehr von rotem Fleisch karzinogen sei, können die Experten nicht mal belegen: Nur 7 von 15 informativen Fall-Kontrollstudien berichten von einer positiven Assoziation („Of the 15 informative case-control studies considered, seven reported positive associations of colorectal cancer with high versus low consumption of red meat”). „Case-control studies“ haben im Übrigen die schwächste Signifikanz und Aussagekraft wegen fehlender Ausgangshypothese und keinem prospektiven oder kontrollierten Studiendesign, wie bei sogenannten RCT-Studien...

Aus meinem DocCheckBlog:
http://news.doccheck.com/de/blog/post/3153-haxe-des-boesen-3-0/

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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