Politik

Pharmafirmen wollen Zahlungen an Ärzte offenlegen

Montag, 9. November 2015

Berlin – Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat darauf hingewiesen, dass Pharmafirmen ab dem kommenden Jahr europaweit ihre Zuwendungen an Ärzte veröffentlichen wollen. „Bis zum 30. Juni 2016 werden alle unsere Mitgliedsunternehmen die Zahlungen auf ihrer Internetseite offenlegen“, erklärte die Hauptgeschäftsführerin des vfa, Birgit Fischer, heute vor Journalisten in Berlin.

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Veröffentlicht werden sollen alle Zuwendungen an Ärzte, aber auch an Apotheker und andere Gesundheitsberufe sowie an medizinische und wissenschaftliche Organisationen und Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Fachgesellschaften, erklärte der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA), Holger Diener. Offengelegt würden sowohl alle direkten als auch alle indirekten geldwerten Zuwendungen wie Kugelschreiber oder Einladungen zu Fortbildungs­veranstaltungen. In der FSA sind alle vfa-Mitglieder sowie elf weitere Pharmafirmen zusammengeschlossen. Sie repräsentieren nach eigenen Angaben etwa 75 Prozent des deutschen Pharmamarktes.

Ärzte müssen der Veröffentlichung zustimmen
Bei Spenden, Zuwendungen im Zusammenhang mit Fortbildungsveranstaltungen sowie Dienstleistungs- und Beratungshonoraren wollen die Pharmafirmen die Ärzte namentlich nennen, die Zuwendungen von ihnen erhalten haben – vorausgesetzt, die Ärzte stimmen zu, erklärte Diener. Stimmen Ärzte nicht zu, werden die an sie geflossenen Zahlungen addiert und als Summe genannt.

Alle Zuwendungen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung, zu dem auch die Anwendungsbeobachtungen gehören, werden von vornherein nur als Summe veröffentlicht. Würden Firmen die Ärzte nennen, mit denen sie hier zusammenarbeiten, könnten Konkurrenzunternehmen darauf schließen, in welchen Bereichen sie gerade forschen, so Diener.

„In Deutschland tun sich die Menschen schwer mit dem Offenlegen von Einnahmen“
Der Transparenzkodex wurde vom europäischen Arzneimittelherstellerverband EFPIA angestoßen. Er wird daher auch europaweit eingeführt. Fischer wies auf die großen kulturellen Unterschiede im Umgang mit der Offenlegung von Einnahmen hin. In Ländern wie Schweden sei dies ganz normal, in Deutschland täten sich die Menschen dagegen schwer damit.  

„Die Frage ist, ob wir es schaffen, zusammen mit der Transparenzdebatte auch eine Qualitätsdebatte hinzubekommen“, meinte Fischer. „Wenn Patienten es wertschätzen würden, wenn ihre Ärzte die an sie geflossenen Zahlungen offenlegen, könnte die Initiative erfolgreich sein.“ Dies würde jedoch eher nicht gelingen, wenn Patienten auf die Offenlegung mit Sätzen reagierten wie: „Guck mal, was mein Arzt noch zusätzlich verdient.“

Bundesärztekammer begrüßt die Transparenzinitiative
Die Bundesärztekammer (BÄK) begrüßt die Initiative der Pharmaunternehmen. „Die übergroße Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte lässt sich nichts zu Schulden kommen und muss deshalb Transparenz nicht fürchten“, schreibt die BÄK in einer Stellungnahme. „Sie möchte auch nicht von den wenigen schwarzen Schafen in Misskredit gebracht werden. Deshalb wünschen wir uns prospektiv, dass die Veröffentlichung der Zuwendungen unabhängig von der Zustimmung des Empfängers erfolgen kann. Alternativ sollten Pharmaunternehmen auf die Zusammenarbeit mit Ärzten verzichten, die nicht genannt werden wollen.“

Im Übrigen befürworte die Ärzteschaft seit langem eine gesetzliche Regelung nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Physicians Payment Sunshine Act“. „Danach müssen alle finanziellen Leistungen und Sachleistungen sowie Name, Adresse, Anbieter, Wert, Datum und Art der Zuwendung offengelegt werden“, so die BÄK. „Auch sieht das Modell eine Meldepflicht für die finanzielle Beteiligung von Ärzten an Herstellerfirmen und Einkauforganisationen vor.“ Der Transparenz-Kodex der Pharmaindustrie sei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. © fos/aerzteblatt.de

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