Medizin

Warum Antikörper-Therapie gegen Alzheimer nicht funktioniert

Mittwoch, 11. November 2015

München – Antikörper gegen Amyloid-β galten lange als vielversprechende Therapie­option gegen Alzheimerdemenz. Verklumpte Proteine im Gehirn, sogenannte Amyloid-β-Plaques, sind ein wichtiges Krankheitsmerkmal der Erkrankung. In Tierexperimenten hatte sich gezeigt, dass bestimmte Antikörper diese Plaques reduzieren. Klinische Studien an Patienten konnten diese Ergebnisse aber bisher nicht bestätigen.

Ein Forscherteam um Marc Aurel Busche, Wissenschaftler an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am TUM Klinikum rechts der Isar und am Institut für Neurowissenschaften der Technischen Universität München (TUM) und Arthur Konnerth vom Institut für Neurowissenschaften hat nun einen möglichen Grund hierfür geklärt. Ihre Ergebnisse hat die Zeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht (doi:10.1038/nn.4163).

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Die Forscher nutzten Alzheimer-Mausmodelle für ihre Studie. Diese Tiere tragen ein sogenanntes Transgen für das Vorläuferprotein von Amyloid-β, was wie beim Menschen zur Bildung von Amyloid-β-Plaques im Gehirn führt und Gedächtnisstörungen verur­sacht. Die Wissenschaftler behandelten die Tiere mit Immuntherapie-Antikörpern und untersuchten dann die Aktivität von Nervenzellen mittels hochauflösender Zwei-Photonen Mikroskopie.

Sie fanden, dass unter der Antikörpertherapie zwar die Plaques verschwanden, die Anzahl an abnormal hyperaktiven Nervenzellen aber stark anstieg. „Wenn Nervenzellen hyperaktiv sind, können sie ihre normalen Funktionen nicht mehr ausüben und verausgaben sich über längere Zeit. Sie verstummen dann und sterben möglicherweise im späteren Verlauf ab“, erläutert Busche. Das könnte erklären, warum sich bei den Patienten, die die Immuntherapie erhalten haben, ihr Zustand nicht wirklich besserte, obwohl die Plaques weniger wurden, so die Vermutung der Forscher.  © rme/aerzteblatt.de

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