Medizin

Typ 1-Diabetes: Probiotika könnten Bildung von Insel­zell-Antikörpern verhindern

Mittwoch, 11. November 2015

Tampa – Kinder mit einem genetisch erhöhten Risiko auf die Entwicklung eines Typ 1-Diabetes entwickelten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in den ersten Lebensjahren seltener Inselzell-Antikörper, wenn sie in den ersten 27 Lebenstagen mit Probiotika behandelt wurden. Dies zeigen die jetzt in JAMA Pediatrics (2015; doi: 10.1001/jamapediatrics.2015.2757) veröffentlichten Ergebnisse.

Die TEDDY-Studie (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) beobachtet seit 2004 eine Gruppe von mehr als 8.000 Kindern aus sechs Zentren (darunter der TU München), bei denen eine positive Familienanamnese oder der Nachweis von bestimmten HLA-Genen ein erhöhtes Risiko auf einen Typ 1-Diabetes anzeigen. Die Teilnehmer wurden in den ersten vier Lebensjahren alle drei Monate und danach alle sechs Monate untersucht. Dabei wurden Blutproben entnommen, um nach Inselzell-Antikörpern zu suchen, die auf eine drohende Diabeteserkrankung hinweisen.

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Dem Team um Ulla Uusitalo von der Universität von Südflorida in Tampa ist dabei aufgefallen, dass Kinder, die in den ersten 27 Lebenstagen mit Probiotika behandelt wurden, zu einem Drittel seltener Inselzell-Antikörper entwickelten. Die Hazard Ratio betrug 0,66 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,46 bis 0,94 signifikant. Die „protektive Assoziation“ war weitgehend auf Kinder mit dem DR3/4-Genotyp verbunden. Hier kam es zu 60 Prozent seltener zu Inselzell-Antikörpern (Hazard Ratio 0,40; 0,21-0,74). Bei anderen Genotypen wurde keine Assoziation gefunden.

Die Ergebnisse passen zu neueren Befunden, nach denen die Darmflora im ersten Lebensjahr einen Einfluss auf die Entwicklung des Immunsystems hat und Störungen die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen begünstigen, zu denen auch der Typ 1-Diabetes gehört. Eine protektive Wirkung lässt sich aus den Ergebnissen jedoch nicht ableiten.

Die Probiotika wurden nicht aus der Absicht heraus, einen Typ 1-Diabetes zu vermeiden, eingesetzt. Der Anlass war häufig ein Wiederaufbau der Darmflora nach einer Antibiotikabehandlung. Dies bedingt Verzerrungen, die gegen weiterreichende therapeutische Schlüsse oder gar eine therapeutische Empfehlung sprechen. © rme/aerzteblatt.de

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