Medizin

Erfolgreiche Gesichtstrans­plantation mit Augenlidern, Nase und Ohren

Dienstag, 17. November 2015

New York - Ein Team von mehr als hundert Chirurgen und Mitarbeitern hat an einer US-Klinik in einer 26-stündigen Operation die bisher ausgedehnteste Gesichtstrans­plantation durchgeführt. Ein 41-jähriger Feuerwehrmann erhielt nicht nur das Gesicht eines 26-jährigen Unfallopfers einschließlich der Augenmuskeln. Zum Transplantat gehörte die gesamte Schädelhaut einschließlich der Ohren.

Der Feuerwehrmann hatte bei einem Einsatz vor 14 Jahren Verbrennungen dritten Grades im Bereich von Gesicht, Kopf, Hals und Oberkörper erlitten. Er verlor seine Augenlider, Ohren, Lippen und den größten Teil der Nase. Nach mehr als 70 Operationen war es ihm bisher nicht gelungen, ein normales Leben zu führen. Die Unfähigkeit zu Blinzeln bedrohte sein Augenlicht, da die fehlende Benetzung mit Tränen die Hornhaut austrocknete.

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Die Operation, die bereits drei Monate zurückliegt, fand in zwei Sälen statt. Im ersten Saal wurde die Entnahme des Transplantates vorgenommen. Der erste Schnitt wurde von der Spitze des Scheitels ausgehend in Richtung Nacken durchgeführt. Von dort aus wurden beiderseits zwei schräge Schnitte zur Vorderseite des Halses durchgeführt. Danach wurde die Kopfhaut von hinten nach vorne präpariert. Dabei wurden zunächst die Blutgefäße an den Seiten des Halses freigelegt einschließlich der begleitenden Nerven.

Dies waren die beiden Venae jugularis interna und externa, die Arteriae carotis externa und interna sowie die Nervi zygomaticus temporalis, die Nervi buccalis und die Nervi mandibularis. Danach wurde das Transplantat über dem Gesichtsbereich freipräpariert. Ausgangspunkt war der Augenbereich. Zum Transplantat gehörten die Schließmuskeln der Augen einschließlich der Augenlider. Danach wurde der obere Gesichtsschädel freigelegt. Beidseitig wurde ein Teil der seitlichen Orbita und des angrenzenden Jochbeins in das Transplantat einbezogen, ebenso die beiden Ossae nasalis und Teile der benachbarten Knochen.

Das Transplantat wurde dann in Richtung Oberkiefer und Unterkiefer freipräpariert, wobei die Lippen in das Transplantat einbezogen wurden. Die beiden Nervi mentalis wurden sauber abgetrennt, um sie später mit den Nerven des Empfängers zu verbinden. Zum Transplantat gehörte auch ein Abschnitt des knöchernen Kinns, da es Ansatzpunkt wichtiger Muskeln der mimischen Muskulatur ist.

Gleichzeitig erfolgte in einem zweiten Raum die Entfernung der durch Narben geschädigten Haut, wobei auf eine Übereinstimmung in der Größe von Explantat und Transplantat geachtet wurde. Dies betraf insbesondere die Osteotomien im Jochbein/Orbita-Bereich, im Mittelgesicht und am Kinn. Die Befestigung des Trans­plantats erfolgte vom vordern Hals ausgehend.

Zunächst wurde der Kinnknochen im Gesichtsschädel des Spenders fixiert und die Nervi mentalis anastomosiert. Es folge der Anschluss der Mittelgesichtsknochen, dann die Positionierung des Jochbein/Orbita-Knochenfragments. Der nächste Schritt war die Anbindung der Blutgefäße im Halsbereich. Erst dann erfolgte die Positionierung der für den Lidschluss wichtigen oberen und unteren Augenlider, der Weichteile der Nase und die Verbindung der Ohren. Zum Abschluss wurde die Schädelhaut befestigt.

Wie das Team um Eduardo Rodriguez der Presse am Monat mitteilte, war bereits vor Ende der Operation erkennbar, dass Gesicht, Lippen und Ohren gut durchblutet wurden. Bereits Tage nach der Operation begannen die Haare der Kopfhaut, aber auch der Bart zu sprießen. Am dritten Tag war der Patient in der Lage, die Augenlider selbsttätig zu schließen und zu blinzeln. Nach einer Woche konnte er in einem Stuhl neben dem Bett sitzen. Inzwischen sind laut Rodriguez die Schwellungen soweit zurückgegangen, dass er einige Routinen des Alltags selbstständig durchführen kann.

Der Patient befinde sich in einer Reha-Behandlung, in der er langsam das Sprechen und Schlucken wieder lernen muss. Nach 14 Jahren musste er lernen, sich zu rasieren und andere Tätigkeiten des Alltags durchzuführen. Er wird wie alle früheren Patienten nach einer Gesichtstransplantation für den Rest seines Lebens Immunsuppressiva einnehmen müssen, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden.

Die erste Gesichtstransplantation wurde 2005 in Frankreich durchgeführt. Seither haben mehr als 20 Patienten ein neues Gesicht erhalten. Die jetzt in New York durchgeführte Operation ist die bisher ausgedehnteste Gesichtstransplantation. © rme/aerzteblatt.de

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