Medizin

Therapeutische Hypothermie verbessert Prognose auch bei nicht-schockbarem Herzstillstand

Dienstag, 17. November 2015

Aurora - Eine therapeutische Hypothermie wird derzeit nur für Patienten empfohlen, bei denen eine Defibrillation erfolgreich durchgeführt werden konnte. Die Erfahrungen eines US-Patientenregisters in Circulation (2015; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.115.016317) zeigen, dass die Therapie auch bei einem nicht-schockbaren Herzstillstand erfolgreich sein kann.

Eine Defibrillation ist nur bei ventrikulären Herzrhythmusstörungen erfolgversprechend. Wenn Notärzte bei einem Bewusstlosen eine Asystolie oder eine pulslose elektrische Aktivität feststellen, verzichten sie auf den Versuch, dem Reizleitungssystem durch einen elektrischen Impuls einen Neustart zu ermöglichen. Die kardiovaskuläre Reanimation kann dennoch erfolgreich sein und der Patient kann lebend die Klinik erreichen. Dort stellt sich die Frage, ob eine therapeutische Hypothermie sinnvoll ist.

Anzeige

Die Ansichten der Notfallmediziner sind gespalten, da in den Studien, die die Wirksamkeit der therapeutischen Hypothermie belegt hatten, Patienten mit nicht-schockbarem Herzstillstand ausgeschlossen waren. Das International Liaison Committee on Resuscitation empfiehlt das therapeutische Verfahren deshalb in einer Leitlinie nicht.

In den Kliniken, die sich am Penn Alliance for Therapeutic Hypothermia oder PATH-Register beteiligen, wurde etwa bei der Hälfte von 519 Patienten mit einem initial nicht-schockbaren Herzstillstand eine therapeutische Hypothermie durchgeführt. Von diesen Patienten konnten später 28,9 Prozent die Klinik lebend verlassen, 21,4 Prozent kamen im Alltag ohne fremde Hilfe aus. Bei den Patienten, die keine therapeutische Hypothermie erhielten, war das Therapieergebnis ungünstiger. Nur 17,6 Prozent verließen die Klinik lebend und 13,7 Prozent erlangten ihre Unabhängigkeit zurück.

Eine „Propensity Score“-Analyse, die Patienten-Paare mit gleichen Eigenschaften gegenüber stellt und damit einen fairen Vergleich ermöglichen soll, bestätigte den Eindruck. Sarah Perman und Mitarbeiter errechnen eine Odds Ratio von 2,8 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,6-4,7) für ein Überleben und eine Odds Ratio von 3,5 (1,8-6,6) für ein Überleben mit günstigem neurologischen Ergebnis. Auch wenn die retrospektive Analyse nicht alle Zweifel zum Nutzen der therapeutischen Hypothermie bei Patienten mit nicht-schockbarem Rhythmus ausräumen kann, sprechen die Ergebnisse nach Ansicht der Autoren doch dafür, die Therapie bei diesen Patienten zu versuchen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

08.08.16
Dresdner Uniklinikum: Innerklinische Notfallteams müssen früher intervenieren
Dresden – In 80 Prozent der Fälle treten schon Stunden vor einem Herz-Kreislauf-Stillstand Warnsymptome wie etwa ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg auf. Jedoch alarmieren diese frühzeitigen......
21.07.16
Kiel – 100.000 Notfalleinsätze hat das Deutsche Reanimationsregister der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) bislang erfasst und ist damit europaweit eines der......
05.05.16
Phoenix - Eine spezielle Schulung von Dispatchern, die Anrufer gezielt zur kardiovaskulären Laienreanimation anleiten sollen, hat im US-Staat Arizona die Ergebnisse der Laienreanimation nach......
12.11.15
Reanimation: Kontinuierliche Thoraxkompression in Vergleichsstudie ohne Vorteile
Seattle – Professionelle Rettungsdienste konnten Patienten mit nicht-traumatisch bedingtem Herz-Kreislauf-Stillstand in einer großen nordamerikanischen Vergleichsstudie etwas häufiger erfolgreich......
18.10.15
Neue Leitlinien zur Laien-Reanimation: Erste Hilfe mit Smartphone
Washington/Antwerpen – Die American Heart Association und der European Resuscitation Council haben ihre Leitlinien zur Wiederbelebung nach Herz-Kreislauf-Stillstand aktualisiert. Beide Fachverbände......
12.06.15
Herzstillstand: Mehr Re-Animationen durch „SMS-Lebensretter“
Stockholm – Entgegen pessimistischen Ansichten kann eine Reanimation durch Laien Menschenleben retten. In Schweden überleben laut einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2015; 372:......
17.02.15
Herzdruckmassage nicht unterbrechen
Frankfurt – Auf ein Problem bei der Notfallversorgung von Patienten mit akutem Herzstillstand hat die Deutsche Herzstiftung hingewiesen. „Leider müssen wir es immer wieder erleben, dass Ersthelfer......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige