Politik

Pflegeeinrichtungen auf Einwanderer nicht ausreichend eingestellt

Dienstag, 17. November 2015

Berlin -  Bei der Gesundheitsversorgung und der Pflege von Zuwanderern in Deutsch­land gibt es erhebliche Defizite: Die Pflegeeinrichtungen hierzulande sind auf die zunehmende Zahl alter Menschen mit Migrationshintergrund bisher kaum eingestellt, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie hervorgeht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte beim achten Integrationsgipfel einen besseren Zugang zu Gesundheitsleistungen für Zuwanderer an.

Schätzungen zufolge wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen mit Migrationshintergrund bis 2030 nahezu verdoppelt - von 258.000 im Jahr 2013 auf dann 481.000, wie aus der Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hervorgeht. In der Alten- und der Palliativpflege gehe es um humanes Altern und Sterben – „hier haben Menschen unterschiedlicher Herkunft zum Teil auch unterschiedliche Bedürfnisse“, erklärte die Direktorin des SVR-Forschungsbereichs, Cornelia Schu. Doch obwohl sich Wohlfahrtsverbände, Krankenhausträger und Ausbildungsstätten seit Jahren mit der Frage befassten, wie „kultursensibel“ gepflegt werden kann, fehle es bislang an solchen Ansätzen.

Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund: Spezifische Bedürfnisse erkennen

Die Voraussetzungen für die Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich nur teilweise von denen der übrigen Bevölkerung. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland steigt. Das zeigt sich insbesondere in einer Zunahme der häuslichen Pflege. 

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Der Untersuchung zufolge finden es ein Viertel der Spätaussiedler und die Hälfte der türkischstämmigen Menschen wichtig, dass die Pflegekraft die jeweilige Muttersprache spricht. Der kulturelle Hintergrund und auch die Religion der Pflegekraft sind den meisten Befragten dagegen eher unwichtig.

Allerdings wünschen sich dreimal so viele Muslime eine Pflegekraft mit der gleichen Religionszugehörigkeit (27 Prozent) wie christliche Befragte (neun Prozent). Das Grundgesetz garantiere eine Teilhabe auch für Zuwanderer, sagte Merkel nach dem achten Integrationsgipfel am Dienstag in Berlin. Es bleibe bei dem Thema noch viel zu tun. Das Gesundheitssystem in Deutschland sei nicht unkompliziert, räumte Merkel ein. Die Zuwanderer müssten ihre Rechte kennen.  Zudem müsse auf ihre Lebensge­wohnheiten mehr Rücksicht genommen werden. Das Spitzentreffen der Regierung mit Migrantenverbänden hatte sich den Themen Gesundheit und Pflege gewidmet.

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, für einen gleichberechtigten Zugang von Zuwanderern zum Gesundheitswesen müssten faktische Hemmnisse wie etwa Sprachbarrieren abgebaut werden. Das deutsche Gesundheitswesen sei eine tragende Säule für die Integration von Flüchtlingen. Wie in kaum einem anderen Bereich würden in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung buchstäblich verletzliche Seiten von Menschen angesprochen, erklärte. Je positiver dann Erfahrungen in der Versorgung seien, desto eher trügen sie zur Integration bei. Mit Blick auf die steigende Zahl pflegebedürftiger Migranten sollten Informationen über die Pflegeversicherung und den Zugang zu Pflegeleistungen verbessert werden. Informationsbroschüren würden in englischer, türkischer, russischer und arabischer Sprache aufgelegt

Gesundheitswesen ist wichtig für die Nachhaltigkeit von Integration
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), forderte ein Gesundheitswesen, „das interkulturell offen ist"“ Eine vorausschauende und nachhaltige Integrationspolitik müsse sich auch mit dem Thema Gesundheit und Pflege beschäftigen. Das Gesundheitswesen in der Einwanderungsgesellschaft stehe vor großen Herausforderungen: Schon derzeit lebten mehr als 1,5 Millionen Senioren mit Einwanderungsbiografien in Deutschland. "Diese Zahl wird rasant steigen - auf geschätzt 3,5 Millionen im Jahr 2032", sagte Özoguz. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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