Medizin

Periphere Fiebermessung ist häufig ungenau

Mittwoch, 18. November 2015

Calgary – Die Bestimmung der Körpertemperatur im Mund, unter der Achsel, im Ohr oder auf der Schläfe ist ungenau. Die Messwerte können laut einer Meta-Analyse in den Annals of Internal Medicine (2015; 163: 768-777) um ein bis zwei Grad von einer zentral gemessenen Temperatur abweichen. Meistens sind die Messwerte zu niedrig.

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Die Bestimmung der Körpertemperatur gehört in allen Krankenhäusern zur täglichen Routine. Häufig wird auf die Bestimmung der zentralen Körpertemperatur verzichtet, obwohl sie relativ einfach durch eine rektale Messung möglich ist. Doch das Angebot von leicht handhabbaren Thermometern zur Bestimmung der Hauttemperatur ist groß und viele Patienten empfinden die rektale Messung als unangenehm.

Die von Daniel Niven von der Universität von Calgary durchgeführte Meta-Analyse von 75 prospektiven Studien aus 21 Ländern (8.682 Patienten, davon 43 Prozent Kinder) kommt deshalb gerade rechtzeitig, um noch einmal auf eine bekannte Tatsache hinzuweisen: Selbst wenn Haut- oder Ohrthermometer technisch genau messen, entspricht der Messwert selten der zentralen Körpertemperatur.

Niven kommt zu dem Ergebnis, dass die Abweichungen der peripheren Temperatur­messung von der Körpertemperatur bei Patient mit Fieber von minus 1,44 Grad bis zu plus 1,46 Grad betragen können (95 Prozent-Grenze der Vergleichsmessungen). Bei Kindern mit Fieber waren es zwischen minus 1,49 Grad und plus 0,43 Grad. Bei einer Hypothermie, wie sie in der Notfallversorgung immer häufiger angestrebt wird, kann die periphere Messung die Temperatur um 2,07 Grad zu niedrig oder um 1,90 Grad zu hoch angeben. Dies könnten bei der therapeutischen Hypothermie klinisch relevante Abweichungen sein.

Meistens wird die Körpertemperatur bei einer peripheren Messung zu niedrig eingestuft. Die Sensitivität für den Nachweis von Fieber beträgt laut Niven nur 64 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 55-72 Prozent). Die Spezifität war dagegen hoch. Sie lag bei 96 Prozent (93-97 Prozent): Wenn die Messung Fieber anzeigt, ist auch meistens die zentrale Körpertemperatur erhöht.

Ein mildes Fieber kann laut Niven bei der peripheren Temperaturbestimmung jedoch leicht übersehen werden. Subfebrile Temperaturen sind jedoch häufig ein erster Hinweis auf eine Infektion, der dem Arzt eine raschere Intervention ermöglicht. Als beste Alternative zur rektalen Messung betrachtet Niven ein gutes Ohrthermometer, das die Temperatur des Trommelfells misst. Hier sollte allerdings eine Kalibrierung mit einer zentralen Messung vorgenommen werden. © rme/aerzteblatt.de

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nindak
am Mittwoch, 18. November 2015, 20:29

Subfebrile Temperaturen

"Subfebrile Temperaturen sind jedoch häufig ein erster Hinweis auf eine Infektion, der dem Arzt eine raschere Intervention ermöglicht." - Aha! Welche Intervention denn? Antibiotika, Oseltamvir oder Wadenwickel?
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