Medizin

Jodhaltige Kontrastmittel: Hypothyreose bei Säuglingen

Donnerstag, 19. November 2015

Silver Spring – Jodhaltige Kontrastmittel, die gelegentlich bei Röntgenuntersuchungen eingesetzt werden, können in seltenen Fällen eine Hypothyreose auslösen. Darauf macht die US-Arzneibehörde FDA in einer Drug Safety Communication aufmerksam. Betroffen waren vor allem Säuglinge, bei denen die Kontrastmittel häufig zur Diagnose von Herzfehlern eingesetzt wurden.

Normalerweise wird bei der Anwendung von Jodhaltigen Kontrastmitteln eher vor einer Überfunktion gewarnt, zu der es bei Patienten mit einer Struma kommen kann. Eine Analyse der UAW-Datenbank der FDA zeigt jedoch, dass auch das Gegenteil möglich ist, nämlich ein plötzlicher Mangel an Schilddrüsenhormonen. Er trat 7 bis 30 Tage (im Mittel 15 Tage) nach der Exposition mit dem Jod-haltigen Kontrastmittel auf. Die Zahl der gemeldeten Fälle ist gering. Seit Einrichtung der FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) wurden gerade einmal elf Fälle gemeldet.

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Da eine Hypothyreose zunächst asymptomatisch verläuft und Funktionstests der Schilddrüse nach Röntgen­untersuchungen nicht die Regel sind, besteht die Möglichkeit, dass die Komplikation übersehen wurde. Die FDA hat die Hersteller von Jod-haltigen Kontrastmitteln deshalb aufgefordert, die Auswirkungen ihrer Produkte auf die Schilddrüsenfunktion in einer Studie zu prüfen.

Zehn der elf bekannt gewordenen Fälle waren bei Säuglingen im Alter unter 4 Monate aufgetreten. Der andere Patient war ein Erwachsener. Sechs der zehn Säuglinge waren zum Termin mit einem Herzfehler geboren worden, bei den anderen vier Säuglingen handelte es sich um Frühgeburten. Sieben Säuglinge hatten das Kontrastmittel intravenös, einer rektal und ein weiterer rektal und intravenös erhalten. Beim zehnten Kind war die Mutter intravenös mit einen Jod-haltigen Kontrastmittel behandelt worden. Der Säugling hat das Element über die Muttermilch aufgenommen.

Acht der zehn Kinder erholten sich von der Hypothyreose, bei den anderen beiden Kindern ist der Ausgang nicht bekannt. Vier Säuglinge wurden wegen der Hypothyreose medizinisch behandelt, davon zwei über 6 und 10 Monate. In einem Fall ist die Behandlungsdauer nicht bekannt. Das vierte Kind starb während der Behandlung, allerdings nicht an der Hypothyreose.

In einer Publikation im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2014; 99: 3521-3526) wird der Wolff-Chaikoff-Effekt als Ursache der Hypothyreose vermutet. Es handelt sich um einen Schutzreflex der Schilddrüse, die bei einem plötzlichen Über­angebot von Jod die Hormonsynthese vorübergehend einstellt.

© rme/aerzteblatt.de

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