Medizin

Bilinguale Menschen erholen sich schneller von Schlaganfall

Freitag, 20. November 2015

Hyderabad – Patienten, die zwei oder mehr Sprachen fließend sprachen, hatten in einem Patientenregister aus Indien, wo der Bilingualismus sehr verbreitet ist, eine doppelt so hohe Chance, einen Schlaganfall ohne kognitive Einschränkungen zu überleben, wie eine Untersuchung in Stroke (2016; doi: 10.1161/STROKEAHA.115.010418) ergab.

In Indien werden mehr als hundert verschiedene Sprachen gesprochen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit der „Landessprache“ Hindi nicht vertraut, weshalb Englisch weiterhin eine gleichberechtigte Amtssprache ist. In Hyderabad sprechen viele Menschen darüber hinaus die Lokalsprache Telugu sowie Urdu, die Amtssprache im benachbarten Pakistan.

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Mehr als die Hälfte der Patienten eines Schlaganfall-Registers des Nizam Institute of Medical Sciences (NIMS) in Hyderabad benutzten vor dem Insult im Alltag zwei oder mehr Sprachen. Nach dem Schlaganfall hatten 10,5 Prozent die Sprachfähigkeit verloren, bei den monolingualen Patienten waren es mit 11,8 Prozent nicht wesentlich mehr.

Eine Aphasie nach dem Schlaganfall kann eine Bilingualität demnach nicht verhindern. Der Anteil der  Bilingualen, die darüber hinaus noch kognitive Einbußen erlitten, war jedoch mit 49,0 Prozent deutlich geringer als bei den monolingualen Patienten, wo 77,7 Prozent Einbußen zu beklagen hatten. Und der Anteil der Patienten mit normalen kognitiven Fähigkeiten war bei bilingualen Schlaganfallpatienten mit 40,5 Prozent sogar doppelt so hoch wie bei den monolingualen Schlaganfallpatienten, wo es nur 19,6 Prozent waren.

Die Gruppe um Subhash Kaul vom MIMS führt die Vorteile der Bilingualität nicht auf die größere Sprachkenntnis und den erweiterten Wortschatz zurück, sondern auf die Notwendigkeit, im Alltag ständig zwischen den Sprachen wechseln zu müssen. Dies stelle besondere Ansprüche an das Gehirn und das Training erhöhe die kognitiven Reserven. Frühere Studien hatten gezeigt, dass eine Bi- und Multilingualität auch bei Patienten mit Morbus Alzheimer das Fortschreiben der Demenz verlangsamen kann. © rme/aerzteblatt.de

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gerngesund
am Mittwoch, 16. Dezember 2015, 18:37

Zweisprachigkeit als Backup-System

Das erscheint doch eigentlich logisch:
Für die Zweisprachigkeit müssen viele Nervenverbindungen doppelt angelegt werden. Laienhaft ausgedrückt: Wenn das "deutsche" System durch einen Schlaganfall blockiert ist, könnte das Gehirn auf die das "zweisprachige" System ausweichen/umschalten.
Dumm nur, wenn beide "Systeme" gleichzeitig geschädigt wurden...
Aber selbst dann könnte es Verbindungen zwischen den Systemen geben, die ein "Umschalten" und "Switschen" ermöglichen könnten.
Darf man das als Laie so ausdrücken?
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