Medizin

Neuromyelitis optica erhöht Risiko für Fehlgeburten

Mittwoch, 25. November 2015

Oxford – Patientinnen, die an einer Neuromyelitis optica leiden, könnten sowohl vor, als auch nach einer Krankheitsepisode ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt haben. Dies geht zumindest aus einer Studie der Oxford University hervor, die Seniorautorin Maria Isabel Leite mit ihrer Arbeitsgruppe in Neurology veröffentlicht hat (doi 10.1212/WNL.0000000000002208).

Die Neuromyelitis optica ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Charakteristisch für die Erkrankung sind demyelinisierende Prozesse im Bereich des Rückenmarks und des Nervus Opticus. Bei der Erkrankung sind Antikörper gegen Aquaporin-4 nachweisbar, wobei die pathogenetische Rolle dieser Antikörper bisher kaum verstanden ist.

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Die Krankheit weist Parallelen zur Multiplen Sklerose (MS) auf, bleibt jedoch auf das Myelon und den Sehnerven begrenzt. In der Unterscheidung zur MS bleibt es auch häufiger bei einem einzigen Krankheitsschub. Unsicher ist jedoch, wie sich die Erkrankung auf Schwangerschaften auswirkt. Grundsätzlich ist es möglich, dass plazentagängiges IgG auch autoimmune Prozesse beim Feten auslöst. Beispielsweise haben Kinder von Müttern mit autoimmun bedingten Thrombozytopenien häufiger niedrige Thrombozytenwerte nach der Geburt.

Die Forscher untersuchten, ob ein Erkrankungsschub vor oder nach der Schwanger­schaft das Fehlgeburtenrisiko beeinflusst. Sie werteten dazu retrospektiv die Daten von Frauen aus, die an einer bestätigten Neuromyelitis optica erkrankt und mindestens einmal schwanger waren. In einer Kohorte mit 40 Frauen analysierten sie die Fehlgeburtenrate und in einer zweiten Kohorte mit 57 Frauen das Risiko für eine Präeklampsie.

Mit 42,9 Prozent hatten die Frauen nach ihrer Diagnose ein hohes Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden. Das Odds-Ratio, verglichen mit der Normalbevölkerung, betrug 7,28, wenn die Frauen nach der Diagnose schwanger wurden. Frauen, die drei Jahre vor dem ersten Krankheitsschub schwanger waren, hatten ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko für Fehlgeburten (Odds= 11,6).

Für eine Präeklampsie betrug die Häufigkeit 11,5 Prozent und war somit höher als in der Normalbevölkerung. Ein erhöhtes Risiko hatten jedoch nur Frauen, die auch an weiteren Autoimmunerkrankungen litten. Die Neuromyelitis optica allein erhöhte das Risiko nicht.

Die Studie legt bei dieser Patientengruppe ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten nahe. Da die Daten jedoch nur retrospektiv erhoben wurden und keine pathologischen Daten von Plazentaproben vorlagen, bleibt der genaue Grund für das erhöhte Risiko unklar.

In künftigen Studien sollte nach Ansicht der Forscher auch geklärt werden, ob eine stärkere Kontrolle der Krankheitsaktivität das Risiko für Fehlgeburten senkt.

© hil/aerzteblatt.de

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