Medizin

Winterliche Lichttherapie wirkt auch bei nicht-saisonaler Depression

Donnerstag, 26. November 2015

Vancouver – Eine tägliche Lichttherapie in der dunklen Jahreszeit, die derzeit nur für Patienten mit saisonal abhängigen Stimmungsstörungen (SAD, „Winterdepression“) empfohlen wird, hat in einer randomisierten klinischen Studie auch bei der von der Jahreszeit unabhängigen Major-Depression häufig eine Remission erzielt. Die Ergebnisse waren laut der Publikation in JAMA Psychiatry (2015; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2015.2235) sogar einer medikamentösen Standardtherapie überlegen, die alleine keine bessere Wirkung erzielte als Placebo.

Die Wirksamkeit der Lichttherapie wurde bislang vor allem bei SAD untersucht, die als relativ milde Variante der Depression eingestuft wird. In klinischen Studien erzielt sie Responseraten von 60 bis 90 Prozent, wenn sie konsequent durchgeführt wird. Die Wirkung wird dabei vor allem auf die Synchronisierung des Tag-Nacht-Rhythmus zurückgeführt.

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Auch Patienten mit Major-Depression haben hier häufig eine Störung, was das Team um Raymond Lam von der University of British Columbia in Vancouver veranlasste, die Wirksamkeit auch in dieser Indikation zu untersuchen. Die „Light, Ion, and Fluoxetine Efficacy in Depression“ oder LIFE-Studie ist die erste randomisierte Studie zur Lichttherapie bei der Major-Depression.

Alle 122 Teilnehmer litten an einer mittelschweren bis schweren Depression mit mindes­tens 20 Punkten auf der Hamilton Depression Rating Scale (Ham-D). Sie wurden zum einen auf eine Therapie mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin oder mit Placebo randomisiert. Eine zweite Randomisierung loste die Patienten auf eine tägliche Lichttherapie oder eine Pseudo-Behandlung mit einem Ionenstrahler, der allerdings nur einen Piepton abgab. Die echte Lichttherapie bestand aus einer flächigen LED-Lampe, die weißes Licht (10.000 Lux) abstrahlt. Die Patienten sollten die Therapie jeden Morgen nach dem Aufstehen für 30 Minuten durchführen.

Primärer Endpunkt war die Verbesserung in der Montgomery–Åsberg Depression Rating Scale (MADRS), einem Zusatzfragebogen zum Ham-D, der auch kleinere Verbesserungen bei der Major-Depresssion erkennen kann. 

Überraschenderweise erzielte Fluoxetin (20 mg/die) im Verlauf der Therapie nur eine schwache Wirkung. Der MADRS besserte sich gerade einmal um median 8,8 Punkte und erzielte damit keine signifikant bessere Wirkung als Placebo, das den MADRS um 6,5 Punkte senkte. Deutlich stärker war der Effekt der Lichttherapie, die allein den MADRS um 13,4 Punkte senkte, in Kombination mit dem SSRI sogar eine Verbesserung um 16,9 Punkte erzielte. Mit der Lichttherapie erreichten insgesamt 50,0 Prozent (ohne SSRI) und 75,9 Prozent (mit SSRI) der Patienten eine vollständige Remission. Unter Placebo war dies nur bei 33,3 Prozent und bei 29,0 Prozent der Fall.

Laut Lam müssten nur 3,5 Patienten mit einer Lichttherapie behandelt werden, damit einer mehr als im Placebo-Arm eine Remission erzielt. Bei der Kombination mit dem SSRI verbesserte sich diese „Number Needed to Treat“ (NNT) auf 2,4 Patienten. Ein geringer NNT zeigte einen größeren therapeutischen Wert an.

Die Studie wurde in der dunklen Jahreszeit zwischen Oktober und März durchgeführt. Es ist anzunehmen, dass sie im Frühling und im Sommer, wenn die Tage in Vancouver lang sind, keine unterstützende Wirkung erzielt. Dann dürften die Patienten allein auf die Einnahme der SSRI angewiesen sein, deren Wirksamkeit mit der Dauer der Einnahme zunimmt. Den fehlenden Vorteil gegenüber Placebo in der Studie führt Lam unter anderem auf die kurze Einnahmedauer zurück. © rme/aerzteblatt.de

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