Ärzteschaft

Zu wenig Wissen über die Entstehung von Extremismus

Donnerstag, 26. November 2015

Berlin – Die Forschung hat bisher noch nicht ausreichend verstanden, wie und warum Menschen sich radikalisieren und zu extremen Überzeugungen gelangen. Das erläuterten Experten heute auf dem Kongress der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Meist ist Radikalismus im politischen und religiösen Kontext zu beobachten, etwa bei dem sogenannten islamischen Staat im Nahen Osten. Radikale Taten können aber auch ohne ideologische Motive erfolgen, wie es bei den verschiedenen Formen des Hooliganismus zu beobachten ist.

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Einig sind sich die Experte: Radikalisierung hat bei jedem einzelnen Menschen eine andere Ursache: „Es gibt kein psychopathologisches Musterprofil eines Extremisten. Vielmehr verbergen sich dahinter vielschichtige individuelle und soziale Prozesse“, sagte der DGPPN-Experte Mazda Adli. Oft fühlten sich radikale Menschen ausgeschlossen. Sie seien verbittert und neigten zur Polarisierung. Radikale Menschen seien in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen, sie kämen meist aus der Mitte der Gesellschaft.

Weil ihre Ansichten und Taten so ungeheuerlich sind, werden radikale Menschen oft als psychisch krank bezeichnet. „Radikale Taten sind aber nur in den seltensten Fällen auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen. So können Wahnvorstellungen, Drogen­einflüsse und auch hirnorganisch bedingte Störungen zu radikal aggressiven Akten führen. Doch in den allermeisten Fällen gibt es für extremistische Taten keine klinische Erklärung“, sagte Henning Saß, Vorsitzender des Beirats der DGPPN.

„In der Psychiatrie und Psychotherapie beschäftigen wir uns zuerst mit den Folgen radikaler Taten. Unsere Aufmerksamkeit gilt den traumatisierten Opfern und ihren Angehörigen, die nach solch abscheulichen Attentaten wie in Paris jede notwendige medizinische und therapeutische Hilfe erhalten müssen“, sagte die DGPPN-Präsidentin Iris Hauth. Aber wenn es gelinge, die Entstehungsprozesse zu verstehen, die hinter der Radikalisierung stehen, eröffneten sich dadurch vielleicht neue Möglichkeiten in der Prävention, erklärte sie.

© hil/aerzteblatt.de

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