Medizin

Obamacare führt zu früherer Diagnose des Zervixkarzinoms

Freitag, 27. November 2015

Atlanta – Das Affordable Care Act, nach dem US-Präsidenten auch Obamacare genannt, ermöglicht jungen Frauen die kostenlose Teilnahme an der Gebär­mutterkrebsvorsorge. Eine erste Folge ist laut einer Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 314: 2189-2191) eine Zunahme der Karzinome, die im Frühstadium diagnostiziert werden.

Das American College of Obstetricians and Gynecologists rät allen Frauen ab 21 Jahren zur Teilnahme am Screening auf das Zervixkarzinom. Bislang war die Akzeptanz gering, was Ahmedin Jemal von der American Cancer Society in Atlanta auf die geringe Versicherungsquote zurückführt. Da die meisten Amerikaner sich privat versichern müssen oder über die Arbeitgeber krankenversichert sind, fielen jüngere Menschen durch das Raster, da sie sich noch in der Ausbildung befinden, aber als Volljährige nicht mehr über ihre Eltern versichert sind. Vor 2010 waren ein Drittel aller 19- bis 25-Jährigen ohne Krankenversicherung. Seit diesem Jahr kann sich diese Altersgruppe über ihre Eltern versichern. Der Anteil der jungen Erwachsenen ohne Versicherung ist seither auf 21 Prozent gefallen.

Anzeige

Die jungen Erwachsenen sind sich offenbar bewusst, dass mit dem Versicherungsschutz auch Leistungen verbunden sind. Dazu zählt unter anderem die Gebärmutter­krebsvorsorge. Die Auswirkungen kann Jemal in einer Analyse der National Cancer Data Base nachweisen, die etwa 70 Prozent aller Klinikpatienten in den USA erfasst. Wurden in der Altersgruppe der 19- bis 25-jährigen Frauen im Jahr 2009 nur 68 Prozent aller Zervixkarzinome im Stadium I/II diagnostiziert, so waren es drei Jahre später 84 Prozent.

Eine Folge der vermehrten Frühdiagnosen war eine Zunahme der fertilitätserhaltenden Operationen. Ihr Anteil stieg von unter 30 Prozent auf fast 40 Prozent. Die Studie könne zwar nicht abschließend beweisen, dass die Veränderung auf das Affordable Care Act zurückzuführen sind, meint Jemal. Der Experte ist sich jedoch ziemlich sicher, da eine ähnliche Entwicklung in der Altersgruppe der 26- bis 34-jährigen Frauen, die nicht mehr unter den Versicherungsschutz der Eltern fallen, nicht nachweisbar war. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

19.05.16
Berlin – Die Versorgung krebskranker Menschen soll in Deutschland weiter verbessert werden. Bei der Abschlussveranstaltung des Förderschwerpunktes „Forschung im Nationalen Krebsplan“ würdigte......
19.05.16
HPV: Neuer Impfstoff in Deutschland verfügbar
Hamburg - Im April 2016 hat ein neuer Impfstoff gegen humane Papillomaviren (HPV) seine Zulassung für ein 2-Dosenimpfschema erhalten und wird in Kürze auf dem deutschen Markt verfügbar sein. Zuvor war......
16.05.16
Pfizer untersagt Nutzung von Medikamenten für Hinrichtungen
Washington – Für die US-Bundesstaaten mit Todesstrafe ist die letzte Quelle für erprobte Exekutions-Gifte versiegt: Der Pharmakonzern Pfizer hat den Einsatz seiner Medikamente bei Hinrichtungen......
22.04.16
Gemeinsamer Bundesausschuss: Neue Regeln für Darmkrebs-Test und Qualitätsberichte
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstag das weitere Verfahren zum Darmkrebsscreening beschlossen und sich über Veröffentlichungspflichten der......
24.03.16
Fortgeschrittene Tumorstadien bei Mammo­graphie-Screening-Teil­nehmerinnen seltener
Düsseldorf – Durch wiederholte Teilnahme am Mammographie-Screening treten bei den Frauen höhere Tumorstadien seltener auf als bei der Erstuntersuchung. Das berichten Wissenschaftler der......
21.03.16
Berlin – Darmkrebspatienten und ihre Familien müssen noch intensiver als bislang über die Bedeutung der Früherkennung bei Angehörigen informiert werden. Das fordert der Berufsverband der......
17.03.16
Pathologen diagnostizieren Hautkrebs mit Smartphone
Houston – Ein Smartphone Marke Eigenbau, mit einer Saphir-Kugellinse aus dem Fachhandel als Vergrößerungsglas, kann zwar kein hochwertiges Lichtmikroskop ersetzen. In einer Vergleichsstudie in den......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige