Politik

Aus drei mach eins: Ausbildungsreform für Pflegeberufe

Freitag, 27. November 2015

Berlin – Aus drei mach eins: Die Ausbildung der drei bisherigen Pflegeberufe soll künftig vereinheitlicht werden. Statt wie bisher einer eigenständigen Ausbildung für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege soll es künftig eine bundesweit einheitliche dreijährige Ausbildung mit einem Abschluss zur „Pflegefachfrau“ und zum „Pflegefachmann“ geben. Auch soll künftig das Schulgeld für die Ausbildung bundesweit abgeschafft und stattdessen eine Ausbildungsvergütung eingeführt werden.

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Das geht aus einem Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hervor, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt. Das Pflegeberufegesetz soll 2016 verabschiedet werden und ist im Bundesrat zustimmungspflichtig.

Mit der Reform will die Bundesregierung den Pflegeberuf aufwerten. Künftig sollen alle drei Pflegebereiche in der Ausbildung erlernt werden, Pflegefachkräfte sollen so im Laufe ihres Berufslebens den Bereich wechseln können. Auch sollen Aufstiegschancen durch weiterführende Studiengänge geschaffen werden.

Da mit dem demografischen Wandel auch immer mehr Kenntnisse der Altenpflege in der stationären Versorgung beispielsweise von Menschen mit Demenz benötigt werden, sei mit dem Gesetz auch eine Qualitätssteigerung in der Pflege verbunden, hofft die Bundesregierung. Gleiches gelte für die immer öfter notwendige medizinische Behand­lungspflege in Pflegeeinrichtungen oder bei ambulanten Diensten. Konkrete Inhalte der Pflegeausbildung sollen in einer entsprechenden Verordnung festgelegt werden.

Arbeitsplätze sollen attratkiver werden und für mehr Lohngerechtigkeit sorgen
„Mit der Modernisierung der Pflegeberufe gehen wir jetzt einen weiteren Schritt zur Stärkung der Pflege“, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit Blick auf die Pflegegesetzgebung aus seinem Haus in diesem Jahr. Nach seinen Angaben gibt es derzeit so viele Auszubildende in der Pflege wie nie zuvor. „Das ist zugleich eine Verpflichtung, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Pflegekräfte ihren Beruf gerne und dauerhaft ausführen“, so Gröhe weiter.

„Die neue Pflegeausbildung wird für die Auszubildenden bundesweit kostenfrei sein. Das ist ein wichtiges Signal zur Aufwertung eines Berufs, in dem immer noch überwiegend Frauen tätig sind, und ein Beitrag für mehr Lohngerechtigkeit“, erklärte Bundesfamilien­ministerin Manuela Schwesig (SPD). Gemeinsam mit dem BMG hatte ihr Haus an dem Gesetzentwurf gearbeitet, der derzeit in der Abstimmung zwischen den Ressorts und den Bundesländern ist. Das Schulgeld für die Pflegeausbildung, das in einigen Bundesländern trotz Fachkräftemangels weiterhin erhoben wird, ist beiden Ministern ein Dorn im Auge. Da es künftig eine bundeseinheitliche Ausbildung gibt, solle die Vergütung auch in Tarifverträgen festgeschrieben werden.  

Pflegeverbände: Ministerien ist "guter Aufschlag geglückt"
Der Befürchtung vieler Pflegeverbände, dass mit einer Generalisierung der Ausbildung vor allem die Altenpflege kaum noch Nachwuchs finden wird, teilen beide Minister nicht. Eher setzen sie darauf, dass Pflegeheimträger künftig mehr für die Arbeitsplatzqualität und -attraktivität investieren müssen.

Beide Ministerien rechnen durch die Reform der Pflegeberufe mit Mehrkosten von rund 330 Millionen Euro. Die Kosten für Forschung im Bereich der Pflegeberufsausbildung werden mit fünf bis acht Millionen Euro beziffert, die ab 2017 aus den Haushalten der beiden Ministerien getragen werden sollen. Ein Ausgleichsfonds zur Finanzierung der Ausbildung soll auf Landesebene eingerichtet und verwaltet werden.

In der Fachwelt wird der Gesetzentwurf begrüßt. Den beiden Ministerien sei „ein guter Aufschlag geglückt“, teilten das Deutsche Rote Kreuz und der Verband der Schwesternschaften mit. Als „Meilenstein für die dringend benötigte Weiterentwicklung der Pflegeberufe“ bezeichnete der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, den Gesetzentwurf. Viele Forderungen in dem Entwurf habe man seit Jahren in Gesprächen mit Pflegepolitikern diskutiert.

„Die Arbeit der professionell Pflegenden wird durch die generalistische Pflegeausbildung mit Schwerpunktbildung aufgewertet und auf solide Füße gestellt. Das wird zu einem enormen Motivationsschub führen“, so Westerfellhaus weiter. © bee/aerzteblatt.de

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martina lübke
am Samstag, 28. November 2015, 16:39

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder wird die generalisierte Pflegeausbildung auf‘s Trapez gebracht.
Dabei hat es schon etliche Versuche gegeben, die gescheitert sind, z.B. in Bremen.

Im Jahr 2000 entschloss sich die Altenpflegeschule der Bremer Heimstiftung den Versuch einer generalisierten Pflegeausbildung zu starten.
In den ersten zwei Jahren sollten Theorie und Praxis im Krankenhaus stattfinden, im dritten Jahr konnten sich die Schüler entscheiden, ob sie in der Kranken-, Alten- oder Kinderkrankenpflege arbeiten wollen und sich spezialisieren.
Letztendlich sind aus diesem Ausbildungsgang ganze DREI Altenpfleger hervorgegangen.
Alle anderen wollten wohl lieber in die Krankenpflege ( weil sie besser bezahlt wird??).

Es wurde kein weiterer Kurs dieser Art mehr angeboten.

Das zeigt doch sehr genau, wer von der generalisierten Pflegeausbildung profitiert: Die Krankenhäuser.
Diese arbeiten schon viele Jahre am Limit, das ist wahr, aber das tut die Altenpflege auch.

Aber um das Image der Pflege allgemein zu verbessern, braucht es mehr als eine generalisierte Ausbildung.
In den Krankenhäusern könnte man z.B. damit anfangen, die Fallpauschalen abzuschaffen.
Und die Altenpflege sollte sich endlich mal ein gesundes Selbstbewusstsein zulegen und für das stehen was sie gut kann:
Sich um alte, pflegebedürftige und demente Menschen kümmern und sie bis an ihr Lebensende würdevoll begleiten.
Dafür bin ich ausgebildet worden und genau das möchte ich tun.
Und ich habe dafür drei Jahre gelernt und brauchte mich nicht mehr zu spezialisieren.
Staphylococcus rex
am Samstag, 28. November 2015, 12:27

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