Ausland

Patienten-Mortalität steigt bei Ärztestreiks nicht zwangsläufig

Dienstag, 1. Dezember 2015

Boston – In der Zeit, in der Ärzte streiken, ist die Mortalität der Patienten nicht zwangsläufig erhöht. David Metcalfe und Kollegen an der Harvard Medical School und dem Brigham and Women´s Hospital analysierten die Auswirkung von vergangenen Streiks und veröffentlichten die Ergebnisse im British Medical Journal (doi: 10.1136/bmj.h6231).

Bei Ärzten gestaltet sich die Ausübung des Streikrechts schwierig. Das ethische Selbstverständnis von Ärzten, den Patienten keinen Schaden zuzufügen, macht eine Niederlegung der Arbeit oft unmöglich.

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Ärztestreiks sind ein globales Phänomen welches in Australien, Indien, Ghana, Nigeria, den USA, Venezuela und auch in Deutschland gleichermaßen auftritt. Die Wissen­schaftler untersuchten die rechtlichen und medizinischen Auswirkungen, die diese Streiks in der Vergangenheit zeigten.

Die Streiks werden häufig von offiziellen Stellen, wie dem britischen General Medical Council (GMC), kritisiert, da diese eine Minderversorgung der Patienten befürchten. Ärztestreiks in Großbritannien 2012 führten jedoch nicht zu einer Zunahme der Beschwerden gegen Ärzte. Es gab drei Fällen, in welchen Patienten wegen des Streiks beim GMC Beschwerde gegen Ärzte vortrugen. Diese führten jedoch nicht zu disziplinarischen Maßnahmen.

Für fünf Streiks erstellten Wissenschaftler der Rollins School of Public Health ein systematisches Review. Diese Streiks fanden beispielsweise 2003 in Kroatien, 2010 in Südafrika und 2012 in Großbritannien statt. Die Studie erbrachte keinen wesentlichen Hinweis dafür, dass die Mortalität der Patienten während der Streikperiode anstieg. Als 1983 in Jerusalem 73 Prozent aller Krankenhausärzte für vier Monate den Dienst niederlegten, starben nicht mehr Patienten. In einige Fällen sank die Mortalität während der Streikperiode sogar.

Nur für Südafrika konnten die Forscher eine Zunahme der Mortalität beobachten. In diesem Fall legten jedoch, bis auf ein Krankenhaus, alle Ärzte und Krankenschwester in einem Einzugsgebiet mit 5,5 Millionen Menschen für drei Wochen die Arbeit nieder. Besonders Notfallpatienten starben in der Zeit häufiger.

In westlichen Industrienationen scheinen Patienten zumindest in Bezug auf die Mortalität nicht wesentlich gefährdeter zu sein. Aber für elektive Patienten könnte die Qualität der Versorgung leiden. Solange Streiks jedoch in einem geordneten Rahmen mit einer Grundversorgung für Notfallpatienten erfolgen, sei die Patientensicherheit vermutlich nicht gefährdet, meinen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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