Medizin

Adipositas: Embolisierung der Magenarterie senkt Körpergewicht

Dienstag, 1. Dezember 2015

Dayton – US-Radiologen erproben eine Methode, die ursprünglich zur Behandlung unstillbarer Magenblutungen entwickelt wurde, um adipöse Menschen von überzähligen Pfunden zu befreien. Erste Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago vorgestellt.

Die Embolisation der Arteria gastrica sinistra wurde in den 70er Jahren eingeführt, um Blutungen aus Magengeschwüren zu stoppen. Heute ist die Methode in den Hintergrund geraten, da es den Ärzten in der Regel gelingt, die Blutung bei einer Gastroskopie zu beenden.

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Der Radiologe Mubin Syed von Dayton Interventional Radiology, einer Spezialpraxis für interventionelle Radiologie im mittleren Westen von Ohio, will die Therapie jetzt als Alternative zu einer Magenverkleinerung etablieren. Das Konzept basiert auf der Entdeckung aus dem Jahr 1999, dass die Magenschleimhaut das appetitanregende Hormon Ghrelin bildet. Die vermehrte Bildung könnte ein Grund dafür sein, dass es die meisten Menschen nicht schaffen, sich an Diäten zu halten.

Um die Produktion von Ghrelin zu mindern, schiebt der Radiologe einen Katheter in die Bauchaorta und von dort aus über den Truncus coeliacus in die linke Magenarterie. Dann injiziert er kleine Kügelchen aus einem nicht-resorbierbaren Hydrogel (Beadblock 300-500 Mikron) in die Arterie, um sie zu embolisieren. Da die Arterie über Querver­bindungen zu anderen Gefäßen verfügt, hat dies kein Absterben der Magenwand zur Folge. Die Bildung von Ghrelin wird jedoch vermindert, wie vorbereitende Studien an Versuchstieren gezeigt haben.

Der Radiologe hat kürzlich von der US-Aufsichtsbehörde FDA eine Ausnahme­genehmigung (Investigational Device Exemption) erhalten. Sie erlaubt es ihm, in einer Pilotstudie fünf erwachsene Patienten zu behandeln. Einschlusskriterium ist ein Body-Mass-Index von über 40 und das Scheitern mehrerer Versuche, das Körpergewicht durch Diäten, Sport oder eine Verhaltensänderung zu senken.

Wie Syed jetzt berichtet, war die Behandlung bei den ersten Patienten erfolgreich. Ein Mann, der nur knapp 1,50 Meter groß war, habe mehr als 50 Pfund verloren. Beim zweiten und dritten Patienten sei es ebenfalls zu einer leichten Gewichtsreduktion gekommen. Die vierte Patientin, eine Diabetikerin, verlor innerhalb von drei Monaten 26 Pfund, so Syed. Diabetiker, die häufig extrem übergewichtig sind, sind für den Radiologen eine mögliche Zielgruppe.

Einziges technisches Problem ist ein durch die Adipositas erschwerter Zugang über die Leiste. Syed führt den Katheter deshalb grundsätzlich über die Arteria radialis ein. Komplikationen seien bisher nicht aufgetreten, erklärte Syed, der die Behandlung als Alternative zu einer Magenverkleinerung sieht. Der Radiologe sucht derzeit einen geeigneten Patienten für den fünften Eingriff. Danach muss er bei er FDA weitere Behandlungen beantragen. © rme/aerzteblatt.de

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