Ausland

WHO: Rund 420.000 Tote durch Lebensmittel­infektionen jedes Jahr

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Genf – Rund 600 Millionen Menschen auf der ganzen Welt werden jedes Jahr nach dem Verzehr verseuchter Lebensmittel krank - und 420.000 von ihnen so schwer, dass sie an einer Lebensmittelinfektion sterben. Diese Zahlen schätzt die Weltgesundheits­organi­sation (WHO) in Genf, die am Donnerstag eine erste Untersuchung zu den Folgen von krank machendem Essen veröffentlichte. Betroffen sind besonders die Schwachen: Kinder, Schwangere und Alte. An Lebensmittelinfektionen sterben laut WHO überproportional viele Kinder unter fünf Jahren.

Die Schätzungen seien das Ergebnis jahrelanger Arbeit, mehr als hundert Experten weltweit wirkten an der Studie mit. Bisherige Schätzungen seien sehr vage und ungenau gewesen, sagte WHO-Chefin Margaret Chan. Nun lägen präzisere Ergebnisse vor – es bleibe aber weiterhin viel zu tun, um die Schätzungen zu verbessern.

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Durchfallerkrankungen sind die häufigsten durch Lebensmittel verursachten Krankheiten
Demnach wird fast einer von zehn Menschen weltweit nach dem Verzehr von verseuch­ten Lebensmitteln krank. Verantwortlich für diese Infektionen sind insgesamt 31 Auslöser: Bakterien, Viren, Parasiten, Keime, Gifte, Chemikalien. „Wenn wir wissen, welche davon wo auf der Welt verantwortlich für die größten Probleme sind, dann können Regierungen, die Öffentlichkeit und die Lebensmittelindustrie reagieren", sagte Chan.

Durchfallerkrankungen sind die häufigsten von verseuchten Lebensmitteln verursachten Krankheiten. 550 Millionen Menschen leiden jährlich darunter, und 230.000 sterben daran. Sie aßen rohes oder nicht lange genug erhitztes Fleisch, Eier oder Molkereiprodukte, verseucht mit Noroviren, Campylobacter-Keimen, Salmonellen oder E.coli. Weitere Auslöser sind Bauchtyphus, Hepatitis A, der Bandwurm Taenia solium oder das Schimmelgift Aflatoxin, das bei unsachgemäßer Lagerung entsteht.   Salmonellen sind laut WHO überall auf der Welt ein Problem.

Bundesamt kritisiert mangelende Geflügel­schlachthygiene
Campylobacter-Keime sind häufig Auslöser von Lebensmittelinfektionen in Industrie­ländern – in Deutschland etwa forderte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erst im März wegen der weit verbreiteten Belastung von Hühnerfleisch mit Keimen umfassende Verbesserungen bei der Geflügel­schlacht­hygiene. Laut BVL war 2013 etwa jedes zweite Masthähnchen nach dem Schlachtvorgang mit potenziell krankmachenden Erregern kontaminiert. In Ländern mit niedrigem Einkommen sind dagegen Infektionen wie Bauchtyphus, Cholera, oder E.coli-Erkrankungen ein Problem.

Lebensmittelinfektionen, die Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall erzeugen, sind meist schnell wieder vorbei. Doch sie können auch ernste Krankheiten auslösen wie Krebs, Nieren- oder Leberversagen oder Hirnschäden.  © afp/aerzteblatt.de

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