Medizin

Antikörper könnten Keuchhusten stoppen

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Austin – US-Forscher haben Antikörper entwickelt, die im Tierversuch einer Keuch­husten­­infektion vorbeugten und nach einer Infektion den Verlauf der Erkrankung deutlich abschwächten. Die in Science Translational Medicine (2015; 7: 316ra195) vorgestellten Ergebnisse bilden die Grundlage für geplante klinische Studien.

Trotz eines effektiven Impfstoffes und einer hohen Impfquote von 95 Prozent kommt es in Deutschland jährlich zu mehr als 12.000 Keuchhusten-Erkrankungen. Betroffen sind Säuglinge, die für die Impfung zu jung sind und zunehmend auch Jugendliche und Erwachsene, da die Wirkung des azellulären Impfstoffs mit der Zeit nachlässt.

Anzeige

Die Erkrankung kann vor allem bei Säuglingen einen schweren Verlauf nehmen und weltweit sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jährlich etwa 195.000 Menschen am Keuchhusten. Antibiotika sind nur im Frühstadium wirksam, da Pathogenese und Symptome von den Toxinen des Erregers Bordetella pertussis bestimmt werden, wobei das Toxin „Ptx“ den größten Einfluss hat.

Toxine könnten durch Antikörper neutralisiert werden und eine intravenöse Gabe von Immunglobulinen (von Patienten, die eine Keuchhusten-Erkrankung überstanden haben), hat sich als wirksam erwiesen. Immunglobuline sind jedoch aufwendig in der Herstellung und ihre Wirkung ist schwer vorhersehbar (weil die Konzentration der protektiven Antikörper je nach Immunreaktion des Spenders schwanken kann). Eine moderne Lösung wäre die Herstellung von monoklonalen Antikörpern. Nachdem zwei frühere Projekte gescheitert sind, hat ein Team um Jennifer Maynard und Michael Kalekov von der Universität von Texas in Austin einen Anlauf unternommen.

Die Forscher „humanisierten“ zwei Antikörper, die zuvor für Mäuse entwickelt worden waren und sich in einem Mäusemodell der Erkrankung als effektiv erwiesen hatten. Der erste Antikörper „m1B7“ verhindert, dass die Bakterien an den Epithelzellen der Atemwege Halt finden, der zweite Antikörper „m11E6“ verhindert, dass das Toxin sein Ziel innerhalb der Zelle erreicht. Zusammen mit der Firma Synthetic Biologics aus Rockville/Maryland haben die Forscher die beiden Antikörper jetzt erstmals an Mäusen und Pavianen getestet.

Die Mäuse erhielten die Behandlung zwei Stunden vor einer Infektion mit Pertussis. Die prophylaktische Behandlung verhinderte, dass es bei den Tieren zu einer Leukozytose kam und sie infolge einer Erkrankung an Gewicht verloren. Die bakterielle Besiedlung des Rachens wurde deutlich vermindert. Die Paviane wurden drei Tage nach einer Ansteckung zu einem Zeitpunkt behandelt, als es bereits zu einer Leukozytose gekommen war. Ein weiterer Anstieg der Leukozyten wurde verhindert und die Tiere erholten sich rasch von der Erkrankung.

Da keine schweren Komplikationen auftraten, hoffen die Forscher, demnächst mit ersten klinischen Studien an menschlichen Probanden beginnen zu können. Geplant sind zwei Studien, einmal zur prophylaktischen Gabe und zum andren zum therapeutischen Einsatz bei Patienten, die bereits Symptome der Erkrankung zeigen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige