Medizin

Harntest könnte Fortschreiten von Nierenerkrankungen anzeigen

Sonntag, 6. Dezember 2015

Ann Arbor – Eine verminderte Konzentration des epidermalen Wachstumsfaktors im Urin zeigt, dass die Nieren ihre Fähigkeit zur Selbsterneuerung verloren haben und die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz bevorsteht. Die in Science Trans­lational Medicine (2015; 7: 316ra193) vorgestellten Ergebnisse könnten zur Entwicklung eines nicht-invasiven Tests führen, der die derzeit notwendigen Biopsien ersetzen würde.

Zur Diagnose von Nierenerkrankungen gehört heute die Entnahme einer Gewebeprobe. Die Biopsie ist zwar in der Regel ungefährlich, sie stellt jedoch eine Belastung für den Patienten dar und erschwert vor allem die Durchführung klinischer Studien. Die Erfah­rung zeigt, dass der Verlauf der Erkrankung weniger von der Art der Erkrankung als vom Ausmaß der bereits eingetretenen Schäden an Glomeruli und Tubulussystem der Niere abhängt. Dies brachte eine Gruppe um Matthias Kretzler von der Universität von Michigan in Ann Arbor auf die Idee, nach einem allgemeinen Marker für das Ausmaß von Nierenschäden zu suchen. 

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Das Team ging dabei systematisch vor. Im ersten Schritt wurde in Nierenbiopsien von Patienten nach Genen gesucht, die bei einer Erkrankung vermehrt oder vermindert abgelesen werden. Die von diesen Genen gebildeten Proteine wurden dann zur Grundlage für einen Urintest gemacht. Der Test wurde auf seine Fähigkeit hin untersucht, das Auftreten eines Nierenversagens zu erkennen. 

Die besten Ergebnisse wurden mit dem Protein epidermaler Wachstumsfaktor (EGF) erzielt. Es ist aus der Onkologie als Antreiber des Krebswachstums bekannt. Seine normale Funktion in der Niere besteht darin, nach einer Beschädigung Reparatur­vorgänge einzuleiten. In kleineren Mengen wird EGF an den Urin abgegeben. Ein Abfall der EGF-Konzentration zeigte eine verminderte Fähigkeit der Nieren zur Regeneration an. Der von den Forschern entwickelte Harntest war in drei Kohorten mit Menschen unterschiedlicher Herkunft in der Lage, das Fortschreiten einer Niereninsuffizienz besser vorherzusagen als die gemeinsame Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und der Nachweis einer Proteinurie.

Der Test dürfte zunächst für die klinische Forschung infrage kommen. Kretzler hofft, dass er dort durch den Ersatz von Biopsien die Kosten senkt und die Laufzeit der Studien verkürzt. © rme/aerzteblatt.de

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